02 – Definitionen (Teil 1)

Zu Beginn unserer Reise in die Public History schauen wir uns an, wie das Feld seit den 1970er Jahren in den USA und in Deutschland definiert wurde – von Robert L. Kelley bis Irmgard Zündorf. Wir starten im US-amerikanischen Kalifornien und enden mit dem forschungsorientierten Public-History-Ansatz, den wir in Hamburg vertreten.

Dies ist der erste von zwei Teilen, die sich mit Public-History-Definitionen in der Literatur beschäftigen.

Genannte Literatur 

  • Benjamin F. Shambaugh: Applied History, Iowa City 1912.
  • Robert Kelley: Public History: Its Origins, Nature, and Prospects, in: The Public Historian 1 (1978) H. 1, S. 16-28.
  • Irmgard Zündorf, Irmgard: Public History und Angewandte Geschichte – Konkurrenten oder Komplizen?, in: Jacqueline Nießer, Juliane Tomann (Hg.): Angewandte Geschichte. Neue Perspektiven auf Geschichte in der Öffentlichkeit, Paderborn 2014, S. 63-76.
  • Irmgard Zündorf: Zeitgeschichte und Public History. Version: 2.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 06.09.2016, URL: http://docupedia.de/zg/Zuendorf_public_history_v2_de_2016 (eingesehen am 23.04.2021).
  • Martin Lücke, Irmgard Zündorf: Einführung in die Public History, Göttingen 2018.
  • Simone Rauthe: Public History in den USA und der Bundesrepublik Deutschland, Düsseldorf 2001.
  • Habbo Knoch: Wem gehört Geschichte? Aufgaben der “Public History” als wissenschaftlicher Disziplin, in: Wolfgang Hasberg, , Holger Thünemann (Hg.): Geschichtsdidaktik in der Diskussion. Grundlagen und Perspektiven, Frankfurt am Main 2016, S. 303-345.
  • Serge Noiret: Internationalizing Public History, in: Public History Weekly 2 (2014) 34, DOI: http://dx.doi.org/10.1515/phw-2014-2647.
  • Cathy Stanton: “What is Public History?” Redux, in: Public History News 27,4 (2007), URL: https://ncph.org/wp-content/uploads/2010/08/September-2007-NCPH-Newsletter-Compressed.pdf.
  • What is Public History?: About the Field, in: NCPH National Council on Public History, 2021, URL: https://ncph.org/what-is-public-history/about-the-field/

Genannte Zeitschriften, Blog-Journals, Datenbanken, Gesellschaften, Sendeformate

Preview Folgen 3

Auch in Folge drei wird es noch einmal um Definitionen gehen: Wie wurden und werden Public History in der Literatur definiert?

ACHTUNG: Folge 3 erscheint am 16. November. Der 9. November ist ein guter Tag zur aktiven Erkundung von Geschichtskultur im eigenen Umfeld … eine gute Möglichkeit, um Public Histories selbst zu erkunden!

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Comments
  • Vincent S.
    November 2, 2021Antworten

    1.) Vielen Dank für diese erste Folge. Ich habe persöhnlich ja immer noch ein wenig damit zu kämpfen, dass es so viele unterschiedliche bzw. keine einheitliche Definition des Faches gibt, obwohl dieses schon in vielen Ländern und Universitäten als Teil der Geschichtswissenschaft akzeptiert und etabliert ist.
    Beim Hören des Podcasts musste ich schnell an die Zeit zurückdenken, als das Videospiel Battlefield One vor 5 Jahren veröffentlicht wurde. Durch die (deutsche) Videospielcommunity ging, nicht zum ersten Mal, die Diskussion inwieweit Videospiele historisch korrekt sind. Ein Thema, welches, auch als Unterthema des „Wie realistisch müssen Spiele sein? Wie viel Realismus macht noch Spaß?“, immer wieder diskutiert wird. Ich erinnere, wie ich zu der Zeit ein Video eines Videospielmagazins gesehen habe, was sich mit dieser Fragestellung auseinandergesetzt hat. In dem Video wurde der Trailer des besagten Spiels auf seine historische Korrektheit analysiert. Das Video richtete sich an Gamer*innen und ggf. Kaufinteresierte. Ich fragte mich damals, ob dafür extra Historiker*innen engagiert wurden, oder ob die Videospieljournalist*innen zu dieser Fragestellung selber recherchierten.
    Während ich dem Podcast lauschte konnte ich verorten, dass laut der Definition der Public History an der Universität das Beschäftigen mit dieser Fragestellung definitiv in die Public History fallen würde. Schwerer tat ich mich bei der Definiton von Kelley. Ich kam zu dem Schluss, dass aufgrund der „employability“ dies nur in die Public History fallen würde, wenn Historiker*innen die Analyse des Trailers für das Magazin als Teil ihres Jobs, nicht aber in ihrer Freizeit getan hätten. Das erscheint mir ein wenig seltsam, wenn doch die Vorgehensweise die gleiche ist. Was sagen die anderen dazu?

  • Martin Szalla
    November 6, 2021Antworten

    Gehe ich recht in der Annahme, dass die coolen Gitarren-Riffs und der Typewriter-Sound auch unter den Begriff Performativität fallen?

  • Julius Dröge
    November 9, 2021Antworten

    Auch wenn mir bewusst ist, dass Sie im Laufe des Semesters noch auf die Beziehung zwischen der Geschichtsdidaktik und der Public History eingehen werden, kann ich es mir nicht verkneifen, bereits jetzt schon darauf einzugehen. So kam mir die Definition von Robert Kelley und der damit verbundenen Ausrichtung von Public History, doch jenem Konzepts der Geschichtskultur von Jörn Rüsen recht nahe. Lässt sich hieraus also ableiten, dass die Public History als noch junge Disziplin in Deutschland aus eben jener Geschichtsdidaktik erwachsen ist? So versteht sich doch auch die Didaktik von Geschichte – jedenfalls nach meinem Verständnis – weder als reine „Unterrichtsform“ noch als reine Wissenschaft, sondern vielmehr als kulturelle Deutungspraxis, die jeden Menschen prägt. Hierzu nennt Rüsen die zentrale Kategorie des Geschichtsbewusstseins, also dem Umgang mit Geschichte in der Öffentlichkeit. Hiermit werden die Formen, Medien und Funktionen der historischen Erinnerung in interkultureller Perspektive untersucht. Ebenfalls wird mit diesem Konzept versucht, die Typen narrativer Sinnbildung und historischer Orientierung in den bereits in der Vorlesung genannten erinnerungskulturellen Objektivationen aufzudecken und darzustellen. Könnte also letztlich nicht auch die Geschichtsdidaktik Public Historians mit dem Rüstzeug für eine erfolgreiche Karriere ausrüsten? Oder ist die Fachdidaktik doch zu sehr auf die Institution Schule versteift und die Public History kann hier einen größeren Rahmen abdecken?

  • 6957289
    November 10, 2021Antworten

    Irmgard Zündorf betont die Interdisziplinarität der Public History, bestehend aus Medienwissenschaft, Geschichtsdidaktik, Museumspädagogik und Literaturwissenschaften. Müssten unter Bezugnahme auf die materielle Dimension der Public History in einen interdisziplinär angelegten Public-History-Ansatz, in welchem die Vermittlung und Darstellung von Geschichte in der Öffentlichkeit im Mittelpunkt stehen, nicht auch die Wirtschaftswissenschaften und insbesondere das Marketing integriert werden?

    Weiterhin definiert Zündorf die Public History als „Geschichte für die Öffentlichkeit und Geschichte in der Öffentlichkeit“. An dieser Stellte stellt sich mir die Frage, inwieweit Geschichte überhaupt für die Öffentlichkeit produziert werden soll. Trägt die Geschichtswissenschaft nicht vielmehr einen Sinn in sich selbst? Meiner Meinung nach geraten Wissenschaft und Öffentlichkeit unter der Annahme, dass Erstere unabhängig von Letzterer betrieben werden sollte, in einen Konflikt miteinander.

  • Giusy Correggia
    November 10, 2021Antworten

    Vielen Dank für diese Erklärung zur Public History. Eine so breite und reichhaltige Literatur ist sehr nützlich, um zu verstehen, was Public History ist. Außerdem haben die verschiedenen Definitionen das gleiche Thema auf unterschiedliche Weise dargestellt. Ich persönlich finde die Definition von Robert Kelley sehr interessant:
    „In its simplest meaning Public History refers to the employment of Historians and their historical methods outside of Academia : in government, private corporations , the media, historical societies and Museums, even in public practice.“ In diesem Sinne wird die Geschichte als etwas Lebendiges dargestellt, das mit der öffentlichen Sphäre und nicht nur mit diplomatischen Kreisen zu tun hat.
    Diese „Public“ Dimension wurde auch von Serge Noiret auf interessante Weise analysiert: „…The practice of history has always been “public” in a way, but individual and collective memories are now invading the public sphere…“.
    In diesem Fall gibt es einen Bezug auf Zeit, der auch durch Wörter wie „always“ oder „now“ signalisiert wird. Diese Begriffe signalisieren einen Wandel und eine stärkere Teilnahme der Gemeinschaft. In diesem Sinne wird die Geschichte kooperativ. Dieser erste Teil hat mich sehr interessiert, ich warte schon auf den zweiten Teil!

  • María Lucía Valle Vera
    November 12, 2021Antworten

    Das Feld „Public History“ ist sehr interessant und jede der vorgeschlagenen Definitionen hinterlässt viele Fragen. In einem Teil der Sitzung wird kommentiert, dass die Aufgabe oder Herausforderung, die Historiker der „Public History“ übernehmen müssen, darin besteht, „Geschichte zu übertragen“. Dies impliziert, dass Historiker Fähigkeiten erlernen oder erwerben sollten, um Informationen zu übermitteln, die nicht unbedingt die gleichen sind, die in der Wissenschaft verwendet werden. Was könnten in diesem Sinne diese Fähigkeiten sein? Könnten wir auch in „Public History“ über die Notwendigkeit einer interdisziplinären Zusammenarbeit mit den Kommunikationswissenschaften sprechen?
    Angesichts der undefinierten Grenzen von „Public History“ und der Interaktion von Öffentlichem und Privatem könnte man sagen, dass ALLE: Historiker und Personen außerhalb des akademischen Bereichs, die historisches Wissen teilen und am Aufbau des historischen Gedächtnisses mitarbeiten möchten, öffentlich machen können Geschichte? Derzeit gibt es Bloggers und Youtubers, die Materialien (u. a. Musikvideos, Texte) produzieren, in denen sie Erinnerungen oder historische Informationen verbreiten wollen. Könnten sie als „Agenten der öffentlichen Geschichte“ betrachtet werden?

  • Martin Szalla
    November 16, 2021Antworten

    Ein Verweis auf die Public History aus dem Feuilleton der Süddeutschen Zeitung vom 10.11 21. Gustav Seibt schreibt über eine Veranstaltung mit Bundespräsident Steinmeier zum 9. November: “Solche Abläufe wirken oft lange nach, aber weniger beim Publikum als bei den Fachleuten der ‘Public History’, einer jungen Disziplin, die sich mit dem öffentlichen, nicht zuletzt dem zeremoniellen Gebrauch von Historie beschäftigt. Manchmal kann man argwöhnen, Gedenkstunden dieser Art würden vor allem für die hermeneutische Geschicklichkeit professioneller Interpreten entworfen.” Der letzte Satz scheint mir dabei einer zu sein, der zum guten Ton, d.h. zur Zeremonie des Feuilleton-Schreibens gehört…

  • Furkan Ceran
    November 16, 2021Antworten

    Mich würde die Frage interessieren, inwiefern Public History und wissenschaftsorientierte Geschichte unabhängig voneinander koexistieren können.
    Geschichte in der Öffentlichkeit (Public History) könnte von der wissenschaftsorientierten, universitären Geschichte maßgeblich geprägt worden sein, auch umgekehrt.
    Gibt es in der Geschichtsschreibung einen einseitigen oder gegenseitigen Einfluss?

    • Lea Dawils
      November 29, 2021Antworten

      Das sind zwei sehr spannende Fragen. Im Folgenden versuche ich nur die zweite zu beantworten, da ich zur ersten Frage im Moment noch keine Antwort habe. Meiner Meinung nach gibt es zwischen der Public History und der wissenschaftsorientierten Geschichte einen gegenseitigen und keinen einseitigen Einfluss. Die Public History beschreibt jede Form der öffentlichen Geschichtsdarstellung. In der neuen Podcastfolge (Australien: Paul Ashton) wird beschrieben, dass sich die Wissenschaft daran orientiert, was die Gesellschaft, also die Öffentlichkeit, bewegt, wie zum Beispiel die koloniale Vergangenheit. Das heißt also, dass die akademische Geschichtswissenschaft von einem öffentlichen Geschichtsinteresse bestimmt wird. Umgekehrt wird die akademische Geschichtswissenschaft auch von der Public History beeinflusst. Ebenfalls in der neuen Folge wird darauf hingewiesen, die Vielfalt von Geschichtsrepräsentationen zu sehen und diese dann im Fach Geschichte zu nutzen. Des Weiteren muss man als Historiker*innen oder Public Historians nicht allein alle Fertigkeiten vereinen müssen; man kann gemeinsam und in Teams arbeiten, wie es Herr Logge beschreibt. Beide Disziplinen beeinflussen sich also gegenseitig, sind miteinander verbunden und prägen sich gegenseitig.

  • Sümerya Uzun
    November 18, 2021Antworten

    Vielen Dank für diese wohl strukturierte Podcastfolge.
    Während des Hörens haben sich einige Fragen bei mir gesammelt, die ich hier in kompensierter Form stellen möchte. Irmgard beschrieb, dass das Feld der Public History einem gewissem Pragmatismus unterlege; nämlich dem „Historiker auszubilden für öffentliche Vermittlungsaufgaben und Dienstleistungen. Dies basiert vor allem von der Arbeitsnotlage und Kelleys Ausführungen. Zudem sollen Public Historians dazu befähigt werden, akademisch fundiertes Wissen in eine breite ungebildete Bevölkerung zu transferieren. Sind hier das Richtigstellen und die Entmächtigung von generationell vermittelten Mythe und Legenden hinzu (besonders außerhalb von Deutschland). Beispielhaft hierfür denke ich an die vermeintliche „Entdeckung von Amerika durch Kolumbus“, an welche heute als Nationalfeiertag gedenkt wird, und welche im Geschichtsbewusstsein der US-Amerikanischen Bevölkerung größtenteils implementiert sind. Was können Public Historians hier leisten? Müssen oder sollen sie dies sogar?
    Und zweitens: Wie sind partizipative Formen der Geschichtsdarstellung zu werten (Reenactment). Sind diese als Teilbereich der Public History anzusehen.

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