03 – Definitionen (Teil 2)

Nach einer kleinen „Intervention“ von und mit Dr. Georg Koch setzen wir unsere Reise fort und schauen uns weitere Definitionen an, mit denen versucht wurde, das Feld „Public History“ zu beschreiben.

Link zu Georg Koch: 

Genannte Literatur 

  • Ashton, Paul/Kean, Hilda: Introduction: People and their Pasts and Public History Today, in: Dies. (Hrg.): People and their Pasts. Public History Today, Basingstoke u. a. 2009. S. 1-20.
  • Brauer, Juliane, Martin Lücke (Hg.): Emotionen, Geschichte und historisches Lernen. Geschichtsdidaktische und geschichtskulturelle Perspektiven, Göttingen 2013.
  • Cauvin, Thomas: Public History. A Textbook of Practice, New York u. London 2016.
  • Dean, David: Introduction, in: Ders. (Hg.): A Companion to Public History,  Hoboken (NJ) 2018, S. 1-12.
  • Dean, David/Etges, Andreas: What Is (International) Public History?, in: International Public History 1,1 (2018), URL: https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/iph-2018-0007/html.
  • Gundermann, Christine et al.: Schlüsselbegriffe der Public History. Göttingen 2021.
    Zum Autor:innenkollektiv gehören: Christine Gundermann, Juliane Brauer, Filippo Carla-Uhink, Judith Keilbach, Georg Koch, Thorsten Logge, Daniel Morat, Arnika Peselmann, Stefanie Samida, Astrid Schwabe und Miriam Sénécheau. Das Buch ging hervor aus dem DFG-Netzwerk „Public History. Theorie und Methodik einer neuen geschichtswissenschaftlichen Subdisziplin“.
  • Koch, Georg: Funde und Fiktionen. Urgeschichte im deutschen und britischen Fernsehen seit den 1950er Jahren, Potsdam 2019.
  • Noiret, Serge: Internationalizing Public History, in: Public History Weekly 2 (2014) 34, DOI: http://dx.doi.org/10.1515/phw-2014-2647.
  • Okunew, Nikolai: Red Metal. Die Heavy-Metal-Subkultur der DDR, Berlin 2021.
  • Wallner, Sarah, Georg Koch, Stefanie Samida (Hg.): Doing History. Performative Praktiken in der Geschichtskultur. Münster 2016.
  • Wojdon, Joanna: So public history is … PUBLIC history. University of Wrocław, Poland, in: What is your approach, your understanding, your definition of public history?, URL: https://docs.google.com/document/d/1Z7M6-sgJ1snyR0UeOeAwe-U0Ps-1MnRJgS3l7nBM_Vo/edit?fbclid=IwAR3muyo-Vb81vWJkHdBokkUmDBL4G8CUaG2r8JoJi9HJBveuRYHN13l2s10.

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Comments
  • María Lucía Valle Vera
    November 30, 2021Antworten

    Die von Koch vorgeschlagene Formel, um Public History zu verstehen: Geschichtswissenschaft, +Kulturwissenschaft, + Geschichtskultur. Ein Zweifel bleibt jedoch. In welchem der Elemente der Formel könnte die Rolle des das Publikum verortet werden? Die Beteiligung des das Publikum wäre ein Querschnittselement zu den drei von Kenn und Martin (UK) heben das demokratische Potenzial und die gesellschaftliche Agenda von Public History hervor sowie die Tatsache, dass ein partizipatives Modell grundlegend ist, um die Öffentlichkeit zu verstehen.

  • Julius Dröge
    Dezember 8, 2021Antworten

    Eine sehr spannende Podcastfolge, welche mich gerade vor dem Hintergrund des 9. November weitergehend beschäftigt hat, denn mit den unterschiedlichen Festivitäten und Erinnerungsveranstaltungen an jenem Tag – allen voran jene Zeremonie im Schloss Bellevue – beschäftigte mich die Frage: was und wer die Deutungshoheit für die kollektive Erinnerungskultur in Deutschland trägt und was von diesem Tag im Geschichtsbewusstsein der Öffentlichkeit hängen bleibt? Denn wie im Podcast angedeutet ist die Public History imstande in die hiesige Geschichtskultur einzugreifen und diese für verschiedene Öffentlichkeiten nutzbar zu machen, denn „in practice [..] public history caries a certain political or cultural purpose“. Also arbeitet die Public History eben auch geschichtspolitisch und könnte demnach auch unterschiedliche Narrative bedienen.
    An dieser Stelle möchte ich gerne einen abweichenden Gedanken einfügen, welcher mich im Zusammenhang mit der „citizen science of the past“ umgetrieben hat. Hier hat mich besonders die akademische Offenheit der Public History gegenüber „laien Historiker: innen“ verblüfft, da ich in dieser Empfänglichkeit ein Gefahrenpotenzial sehe, nämlich wenn geschichtliche Narrative zu geschichtspolitischen Zwecken umgedeutet werden. Und an dieser Stelle es zu einer Instrumentalisierung der Geschichtskultur in Teilen der Öffentlichkeit kommt, ähnlich wie zum Beispiel bei der „Vogelschiss-Deutung“ Alexander Gaulands in Bezug auf die Zeitspanne der Naziherrschaft in Deutschland. Gibt es hierfür etwaige Mechanismen der Public History, mit der public historians bzw. professionelle Historiker: innen in eine solche Fehldeutung eingreifen können?
    Nach diesem kurzen Frageexkurs möchte ich nun zum Potenzial der Deutungsmacht von Public History zurückkommen. Hier hat David Dean festgestellt, dass es in der Public History eben auch um „ preserving the past and present for the future and [..] it´s uses for the contemporary society” geht. Dabei habe ich gegenwärtig das Gefühl, dass deutsche Erinnerungs- und Gedenktage häufig wenig Raum für die Repräsentation der deutschen Demokratiegeschichte lassen. Gerade hier sehe ich ein mögliches Potenzial für public historians in der Distribution ihrer Arbeit möglichen Einfluss auf die Erinnerungs- und Geschichtskultur zu nehmen, denn hinsichtlich einer sich zuspitzenden „Antidemokratisierung“ von Teilen der Öffentlichkeit im Zuge der Corona-Krise, scheint ein positiv besetztes Narrativ von deutscher Demokratie im kollektiven Gedächtnis essenziell zu sein. Denn offenbar scheint der Blick auf die erste Demokratie auf deutschen Boden immer mit einer Fragilität und Inkonsistenz der damaligen handelnden und dessen Institutionen verbunden zu sein. Diese Deutung hat mit Sicherheit seine Berechtigung, als das jenes demokratische Konstrukt auf einem wackligen Boden gegründet wurde und damit unteranderem auch den Weg in eine Diktatur bereitete. Dennoch fehlt in der öffentlichen Wahrnehmung und dessen Erinnerung ein positiv besetztes Narrativ von Demokratie- und Republikgeschichte in Deutschland. Denn die Tage der Erinnerung an denen unsere Demokratie gefeiert wird fehlen augenscheinlich. So steht der 9. November vorrangig in der Erinnerung jener schlimmen Ereignisse aus dem Jahr 1938 – wohl auch zurecht, angesichts eines sich zuspitzenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft. Denn vergleichsweise wenig wird an diesem Tag beispielsweise über die Novemberevolution von 1918 gedacht, dieses Gedenken findet meist in geschlossenen Räumen oder gar geschlossenen Gesellschaften, abseits der großen Erinnerungsfeiern für Bürger: innen statt, immerhin ein Tag an dem unsere erste deutsche Demokratie laufen lernte. Fragt man sich hiervon ausgehend, wann wir unsere Demokratie – bei aller Kritik am politischen Alltagsgeschäft – emphatisch und freudig feiern, fällt die Antwort eher ernüchternd aus. Denn der 3. Oktober weckt bei den meisten unserer politischen Repräsentanten und der Mehrheit unserer Mitbürger: innen allenfalls gebremste Begeisterung, er regt eher zur kritischen Bilanzierung der anhaltenden Divergenzen zwischen Ost und West an. Der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 27. Januar ist schon vom Namen her ein Gedenktag, der Totensonntag und der Volkstrauertag laden ebenfalls zu Trauer und Toten-Gedenken ein. Vom 23. Mai (dem Tag des Grundgesetztes) oder dem 11. August (Verfassungstag) wissen oftmals nur noch Spezialisten. Entsprechende Gedenkstunden in den Parlamenten erreichen nur noch eine begrenzte Öffentlichkeit. Ein republikanischer Festtag im emphatischen Sinn des Wortes also fehlt in unserer aktuellen, offiziellen wie zivilgesellschaftlichen Erinnerungskultur, welcher die Bürger: innen dieses Landes an jene Tradition glauben und erinnern lässt. Diese demokratische Erinnerungskultur soll dabei nicht nur eine reine „Fete“ des vermeintlich erreichten Endzustandes aller Staatsformen sein, denn es geht eben nicht darum, die Geschichte der ersten deutschen Demokratie im Interesse unserer Gegenwart zu verbiegen (wie im obigen Beispiel getan mittels der „Vogelschiss-Rede“), sondern sie kritisch zu befragen – und damit auch uns selbst. In meiner Vorstellung könnte dies eine zentrale Aufgabe der (deutschen) Public History und deren zukünftigen Distributionen werden, denn die Aufgabe der Aufklärung jener Öffentlichkeit liegt nach meiner Lesart von David Dean auch in der Hand der Public History: „[..] is about the ways in which the public engages with the past and about how the past is represented to the public [..]“. Denn es ist uns wohl nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines aufkeimenden Verschwörungsglaubens in unsere Gesellschaft klar geworden, dass wir uns um die emotionale Zustimmung zu unserer parlamentarischen Demokratie dringend kümmern müssen. Hierzu kann die Public History dank ihrer multimedialen Distributionsnetzwerke geschichtskulturell aktiv werden, um jene Falschdeutungen zu flankieren und unsere freiheitlich offene Gesellschaft und deren normative Grundlage zurück in das kollektive Gedächtnis der Bürger: innen rufen. Denn Abwehr, Abwertung oder gar Hass gegenüber unserer demokratischen Verfasstheit verspüren wir seit Jahren genug in bestimmten rechtsintellektuellen Medien, politischen Milieus oder Teilen der (a)sozialen Medien. Ich denke, dass gerade hier die Public History auf digitalem Wege diverser und wohl auch gezielter Wirken kann, als es die reine universitäre Geschichtswissenschaft kann.
    So können wir vor diesem erinnerungskulturellen und geschichtspolitischen Hintergrund jene Erinnerungen an die Jahre 1918/19 fruchtbar für unsere eigene Gegenwart und Zukunft machen – statt uns als Bürger: innen damit zufrieden zu geben, dass wir wissen, wie es einmal 1849, 1919, 1949 und 1989 gewesen ist.

  • Lilli von Stengel
    Dezember 12, 2021Antworten

    Vielen Dank für diese Einschub-Folge, die die letzten Wochen noch in mir nachgehallt hat. Zwei Fragen kamen bei mir dazu immer wieder auf, die ich selbst nicht beantworten konnte. Vielleicht hat jemand anders hier eine Antwort oder es wird eine (Teil-) Antworten in einer der nächsten Folgen geben.
    Dr. Kochs Formel Geschichtswissenschaft, +Kulturwissenschaft, + Geschichtskultur ist für mich in sich schlüssig. Gerade die Betonung des Interdisziplinären scheint für die Public History, für Doing History, besonders wichtig zu sein. Allerdings fehlt mir in dieser Formel ein wichtiger Aspekt: die Intention hinter Doing History. Sobald wir uns aus dem forschungsorientierten universitären Kontext bewegen, spielen finanzielle oder ideologische Intentionen ein noch tragendere Rolle. Besonders mit Blick auf Social Media und Public History stechen Geldmacherei oder Propaganda in einigen Fällen hervor. Wo ist das in der Formel zu verorten?
    Meine zweite Frage ist nicht ganz so offen. Wird in dieser Formel Sprache als Kulturgut gehandelt? Gerade bei historischer Aufarbeitung sind Begrifflichkeiten und die Aufklärung dieser außerhalb des universitären Kontext wichtig. So wird Zugänglichkeit möglich gemacht.

  • Sabrina Omerovic
    Dezember 17, 2021Antworten

    Vielen Dank für diese weitere Podcast Folge!
    Beim Zuhören ist mir die kurze Erläuterung von Geschichtskultur in Erinnerung geblieben. Geschichtskultur– Geschichte in der Gesellschaft, das Vorhandensein und verschiedene Bezüge zu der Vergangenheit. Es wurde auch gesagt, dass dies jeden Umgang mit Vergangenheit, egal auf welcher Art und Weise. Für mich ist dies kritisch zu betrachten und dabei stellt sich mir die Frage, ob es überhaupt möglich ist jeden Umgang mit Vergangenheit, unabhängig davon wie sie thematisiert und dargestellt werden, diesbezüglich zu implizieren. Auch ist die Auseinandersetzung von Geschichtskultur(en) in der Gesellschaft von wichtiger Bedeutung.
    Aber auch der Einfluss von Public History auf die Geschichtskultur ist ein spannender Aspekt.
    Wie bereits in einem der Kommentare erwähnt, ist für mich die vorgeschlagene Formel von Koch (Geschichtswissenschaft- Kulturwissenschaft- Geschichtskultur), um Public History zu verstehen, sinnvoll und auch hilfreich für das Verständnis der Thematik.
    Allerdings ist für mich ebenfalls nicht vollkommen verständlich, was hinter Doing History und dessen Intention steckt, da fehlt mir der Bezug bzw. ein Berührungspunkt zu der vorgeschlagenen Formel.

  • Saskia Schwiderski
    Dezember 20, 2021Antworten

    Innerhalb dieser Folge ist die Frage der Objektivität, innerhalb der Geschichtsdarstellung aufgeworfen worden, sowie auch der Aspekt, dass jegliche Form der Geschichtsdarstellung, ein Konstrukt sei, welches stets von einer gewissen Art der Subjektivität geprägt sei. Zusätzlich ging es auch um die Verschiedenen Arten der Geschichtsdarstellung. Diesbezüglich stellt sich mir die Frage: Besteht aufgrund dieser Aspekte nicht eine gewisse Gefahr, dass durch die falsche Inszenierung von Geschichte, ein falscher Eindruck in der Öffentlichkeit erweckt wird? Wie Beispielsweise durch die verwendete Hintergrundmusik zu Bertolt Brechts Gedicht, am Ende der Folge deutlich wurde. Daher stellt sich mir die Frage: Kann aufgrund einer „unvorteilhaften“ Inszenierung von Geschichte, ihre Objektivität gefährdet werden? Und kann das „Publikum“ dementsprechend in ihrer Wahrnehmung der Inhalte beeinflusst werden?

  • Giusy Correggia
    Dezember 21, 2021Antworten

    Diese weiteren Definitionen von PUBLIC HISTORY machen deutlich, dass Geschichte das Ergebnis eines Analyseprozesses, aber auch eines kreativen Prozesses ist, der kollaborativ ist. Die Formen, in denen Geschichte geschaffen/analysiert werden kann, sind vielfältig: Lieder, Denkmäler, Texte, mündlich überlieferte Geschichten. In diesem Zusammenhang fallen mir zwei Dinge ein.
    1. In meinem Land, Neapel, wird die Geschichte durch eine Reihe von Sprichwörter, Musik und sehr starken Traditionen weitergegeben, die nicht in Schulbüchern stehen, sondern die man durch das Leben in diesem Land lernt. Ein Beispiel dafür ist das Lied „Tammurriata Nera“ (https://www.youtube.com/watch?v=nq7q-fYVK28), das von der amerikanischen Besetzung Italiens während des Zweiten Weltkriegs erzählt, wobei dieses Event aus der Sicht des Volkes dargestellt wird. Eine solche Perspektive ist sehr interessant, weil sie völlig subjektiv ist.
    2. Damit komme ich zum zweiten Punkt: Objektivität. Ich denke, dass Saskia Schwiderski in dieser Hinsicht eine sehr wichtige Frage gestellt hat, eine Frage, die ich mir auch stelle. Ich habe versucht herauszufinden, was die Antwort sein könnte, aber ich denke, dass Objektivität fast unmöglich ist. Dasselbe Ereignis kann völlig unterschiedlich erlebt und daher auch unterschiedlich erzählt werden, so dass die Relativität in diesem Bereich unumstritten ist. Natürlich sind die damit verbundenen Risiken nicht unerheblich, und es fällt nicht schwer, an Ereignisse zu denken, bei denen die Geschichte verborgen wurde: Kolonialismus. Die Geschichte, die ich in der Schule gelernt habe, ist eine eurozentrische Geschichte; eine eurozentrische Geschichte wird als objektiv dargestellt, aber das ist sie natürlich nicht. Vielleicht kann dieses Problem durch die Zusammenarbeit gelöst werden. Die verschiedenen Protagonisten, Opfer und Angreifer, sollten die gleichen Möglichkeiten haben, ihre Geschichte zu erzählen. Eine solche Zusammenarbeit ist jedoch nicht einfach, weshalb die Public History und die Arbeit von Historikern so wichtig sind.

  • 6938993
    Dezember 23, 2021Antworten

    Für mich ist die Frage offengeblieben, die Georg Koch am Anfang andeutet, als er erwähnt, dass er im Studium Reenactors interviewte, weil ihn die Frage nach deren Motivation beschäftigte. Mich würde die Antwort darauf interessieren. Worin liegt die Motivation der Reenactors, geschichtliche Ereignisse nachzustellen?

    Weiterhin habe ich mich bezüglich der Geschichtskultur, auf die Georg Koch zu sprechen kommt und die er als „Geschichte in der Gesellschaft“ und als das „Vorhandensein von Bezügen in die Vergangenheit“ definiert, gefragt, ob hierunter auch das kulturelle Gedächtnis zu verstehen ist. Beinhaltet die Geschichtskultur auch das Feld der Epigenetik, also beispielsweise individuelle Traumata, die von den Vorfahren geerbt wurden, und ist unter der Geschichtskultur auch die individuelle Beziehung zu Personen und Verwandten zu verstehen, die historische Ereignisse wie den Zweiten Weltkrieg erlebt haben und durch die man einen persönlichen Bezug zur Vergangenheit erhält?

    Darüber hinaus habe ich mich der Aufgabenstellung angenommen und die 20 Begriffe entschlüsselt:
    – Geschichtskultur
    – Geschichtswissenschaft
    – Kulturgeschichte
    – Kulturwissenschaft
    – Wissenschaftskultur
    – Wissenschaftsgeschichte
    – Geschichtskulturwissenschaft
    – Geschichte
    – Kultur
    – Wissenschaft
    – angewandte Geschichtskultur
    – angewandte Geschichtswissenschaft
    – angewandte Kulturgeschichte
    – angewandte Kulturwissenschaft
    – angewandte Wissenschaftskultur
    – angewandte Wissenschaftsgeschichte
    – angewandte Geschichte
    – angewandte Kultur
    – angewandte Wissenschaft
    – angewandte Geschichtskulturwissenschaft

  • Lisa Querner
    Dezember 30, 2021Antworten

    Kochs Begriffs der „Angewandten Geschichts/kultur/wissenschaft“ scheint eine doch sowohl von der klassischen Geschichtswissenschaft scheinbar „natürliche“ Trennung zwischen der reinen Fachwissenschaft und Geschichtskultur(en) aufzubrechen zu wollen. Auch wenn sich gerade Public Historians der Überwindung dieses Dualismus verschrieben haben, scheint es wie in den Definitionen deutlich wird, immer noch einen Unterschied zwischen universitären Geschichtsproduktionen und den anderen zu geben. Wo genau diese Grenze verläuft, ist in den Disziplinen unterschiedlich. Mir erscheint diese Trennung immer noch mehr als eine Konsequenz aus dem Kampf um Deutungshoheit der Wissenschaft und weniger als eine nützliche und für die Erforschung der Realität sachdienliche Kategorisierung. „Wie funktioniert Geschichte in der Gesellschaft?“ erfasst doch letztlich sowohl die Universität, die Schule, das Museum, die Kunst und jegliche andere gesellschaftliche und politische Spähren – sowohl in der Reproduktion als auch in der Produktion von Geschichte. Das Verhandeln von Geschichte ist stark von dem Ineinander-reichen dieser Sphären wie auch dem Willen der Akteur*innen, sich von den anderen abzugrenzen, um der eigenen Sphäre Deutungskraft und vielleicht sogar -hoheit zu verschaffen. Dieses Auseinandersetzung mit der „Trennung“ und damit auch der Positionierung in dem Feld bestimmt stärker Geschichte als Prozess, als dass diese Trennung real existiert.
    Weiter: Ist es deshalb für die Untersuchung von „Geschichte in der Gesellschaft“ nicht vielleicht sinnvoller, ausschließlich nach der Rezeption zu fragen und zu untersuchen, wie die Vergangenheitserzählung funktioniert und welche Intentionen sich in den Rezeptionen bestätigen und daraus über die Produktionen und Mechanismen zu lernen. In der Folge kann man darüber die untersuchten erprobten Mechanismen wiederum nutzen für die eigenen Geschichtsproduktionen und für die eigenen Inhalte. Für das Bestehen der eigenen Geschichtsproduktion in der Gesellschaft ist also in erster Linie die Art und Weise und nicht der Inhalt entscheidend.
    Verfolgt man diesen Gedanken konsequent weiter, hieße das auch, dass wissenschaftliche Geschichtsproduktionen als gleichwertiger Teil wie Comics oder Musik mit historischem Sujet bewertet werden, einzig an ihren Rezeptionen gemessen werden. Der Inhalt wird also nur an der Art und Weise der Produktion gemessen für das die jeweiligen Sphären eigene tradierten Formen haben. Diese teilweise zu Regeln tradierten Kommunikationsformen müssen sich dann jedoch an der Rezeption messen und haben in sich keine Legitimation. Das führt in der Wissenschaft auch zu einer beständigen Reflektion der eigenen Produktionsweise und Machtverhältnisse, die unbedingt notwendig ist wie gerade postkoloniale Ansätze vor Augen führen. Erst dadurch erhält die jeweilige Geschichtsproduktion ihre Legitimität – das gilt im gleichen Maße für Musik wie für den wissenschaftlichen Essay.

  • Konstantina Manou
    Februar 3, 2022Antworten

    Besonders interessant an dieser Podcast-Folge, fand ich den Aspekt der interdisziplinären beziehungsweise fächerübergreifenden Zusammenarbeit. Ich stimme der Aussage zu, dass der Austausch über einen Sachverhalt beispielsweise mit Personen aus anderen Fachrichtungen durchaus fruchtbare Impulse für die Forschung bringen kann. Die Multiperspektivität, welche somit angewendet werden kann, könnte die Komplexität eines Betrachtungsgegenstandes in einem größeren Ausmaß erschließbar machen. Ich persönlich habe bereits ähnliche Erfahrungen im Rahmen meines Studiums machen können. Einerseits empfand ich es als hilfreich, Inhalte meiner Hausarbeiten durch ein Zusammenspiel aller meiner Studienfächer zu betrachten und fächerübergreifend Kompetenzen und Fragestellungen für die Ausarbeitung anzuwenden und zu entwickeln. Andererseits kam ich zusätzlich des Öfteren mit Freund*innen und Kommiliton*innen ins Gespräch über unsere Themengebiete, welche aus völlig unterschiedlichen Fachrichtungen stammten. Auch hier half der Perspektivwechsel oder das methodische Repertoire der anderen Person hin und wieder als Denkimpuls bei der Bearbeitung des eigenen Themas weiter. Dementsprechend stimme ich der Wichtigkeit einer Interdisziplinarität, im Besonderen in der Public History aber auch im Allgemeinen, zu.

  • Antonia Harders
    Februar 10, 2022Antworten

    Vielen Dank vorab für diese spannende Potcast-Folge.
    Ich höre sie jetzt zum 2. Mal und bin ein weiteres Mal fasziniert wie interdisziplinär der Bereich ist – von jeglichen Medien über Kultur, Politik, Geschichte in Verbindung mit Wissenschaft und Ausdrucksweisen. Spannend sind auch die angesprochenen Perspektivenwechsel und die möglichen, multiplen Sichtweisen auf die verschiedenen Thematiken und die vielen Möglichkeiten zur Umsetzung, die einem offenstehen.
    Besonders schön finde ich, wie sehr das Feld gerade durch dieses Zusammenspiel, die Überschneidungen und den Austausch erweitert, bereichert und verändert wird, wie viel Neues man dazugewinnen kann durch die übergreifende Zusammenarbeit – ob jetzt von den Methoden oder aber den Perspektiven.
    Ich frage mich jedoch – auch wenn ich der Wichtigkeit dieser Interdisziplinarität zustimme – wie all das „unter einen Hut“ zu bringen ist und ob nicht auch Schwierigkeiten aufkommen können hinsichtlich der verfolgten Ziele und der Nutzung von Geschichte für verschiedene Zwecke und inwiefern Austausch und fundierte Grundlage immer möglich und vorhanden sein können.
    Des Weiteren kommt bei mir die Frage auf – da Geschichte nicht nur von Wissenschaftlern allein genutzt wird – ob es auch höhere Instanzen gibt, die sich um die Verbreitung und der Kontrolle von Wahrheiten beschäftigt und fehlerhafte Verbreitungen überwacht oder auch eingreifen können, wenn Geschichte instrumentalisiert wird?

    Darüber hinaus fand ich es sehr interessant, dass auch Kunstbereiche wie Musik angesprochen und mit Public History in Verbindung gebracht werden – schließlich ist diese Art von Ausdrucksweise immer auch ein Spiegel des Zeitgeistes.
    Des Weiteren fand ich es besonders spannend, das aufgegriffen wurde, dass Geschichte so gut wie überall im Leben untergebracht werden kann und kleinere oder größere Hinweise auf Bezüge zur Vergangenheit gefunden werden können in vielen Sachen – wenn man die Augen dafür offen hält.

  • Benedikt Lauer
    Februar 13, 2022Antworten

    Die Formel von Georg Koch fand ich sehr interessant. Besonders deren Einfachheit, aus der sich aber so viele verschiedene Bedeutungen ableiten lassen.
    Was ist mit dem Begriff „angewandt“ genau gemeint?
    Ich hätte darunter verstanden, dass einer breiten Öffentlichkeit Werkzeuge in die Hand gegeben werden sollen, damit diese sich selbst mit Geschichte auseinandersetzen kann. Koch erklärt es aber als produktiv-schöpferisch tätig werden. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

  • Antonia David
    Februar 28, 2022Antworten

    Die weite Fassung des Begriffs „Public History“ birgt, wie im Podcast ausführlich gesprochen, viele Möglichkeiten zur Betrachtung vom „Past in the Present“. Ich sehe den Vorteil, so möglichst viele Erzählungen durch verschiedene Formate betrachten und analysieren zu können. Oft ordnen sich historische Filme und Romane durch den Zusatz „basiert auf einer wahren Begebenheit“ oder durch einen Appendix etc. selbst auf einer Art „Skala“ der Wissenschaftlichkeit ein. Jedoch stellt sich mir die Frage, wie die Public History beispielsweise mit Instrumentalisierungen von Geschichte umgeht, wie es mit Sophie Scholl bei CoronaleugnerInnen Demonstrationen passiert ist. Würde es von Vorteil sein, solche Erzählungen aus den Definitionsversuchen von Public History auszuschließen? Oder sollte sich die Public History gerade solchen Erzählungen aus wissenschaftlicher Perspektive nähern, und versuchen den Entstehungsprozess zu verfolgen? Hierbei böte sich eine, im Podcast oft erwähnte, interdisziplinäre Forschung (beispielsweise mit der Soziologie) an. Inwieweit muss wissenschaftliche Forschung aus ethischen Gründen in der Public History eine Rolle spielen?

  • Valentin Kraner
    Februar 28, 2022Antworten

    Diese Folge hat nochmals verdeutlicht, wie relevant Public History wirklich ist. Neben der Politikwissenschaft dürfte Geschichte wohl das Forschungsfeld sein, welches in der Öffentlichkeit am meisten diskutiert und mit populären Medien unterfüttert wird. Zudem leiten sich aus ihm Konsequenzen für das Identitätsgefühl der Gesellschaft, aber auch des Einzelnen ab. Die Definition von Herrn Koch verdeutlicht durch ihre Einfachheit und ihre Allgemeinheit diesen Umstand.

  • Sarah Arsenes
    März 6, 2022Antworten

    Vielen Dank für die lehrreichen und gleichzeitig unterhaltsamen Podcast-Folgen! Dieser Podcast ist mein erster bewusster Berührungspunkt zur Public History.
    Die Public History scheint mir ein weites und vor allem offenen Feld der Wissenschaften zu sein. Die Diversität an Definitionen zeigt, dass trotz Überschneidungen eine große Flexibilität zu erkennen ist (Formel von Herrn Koch). Genau diesen Aspekt finde ich sehr faszinierend. Die Public History hat fast einen interdisziplinären Lern- sowie Lehrcharakter, der den „steifen“ Geisteswissenschaften den Blick auf Zeitgenössisches richten lässt. Während dieser Folge kam mir immer wieder der Appell „erweitert euren Horizont“ in den Sinn. Mir scheint es fast so, als würde die Public History diesen Appell an die Wissenschaften und vor allem an die Geschichte in Gestalt ihrer Historiker und Historikerinnen richten. Mir gefällt der Ansatz sehr, dass jeder von jedem lernen kann und so im Umkehrschluss jeder jeden lehren kann. Die Interdisziplinarität des Faches ist mir besonders positiv im Gedächtnis verankert geblieben. Denn m.E. ist die Geschichtswissenschaft in ihrem Umgang mit der Geschichte sehr konservativ. Einige Dozenten geben den Studenten und den Studentinnen vereinzelnd Impulse mit, wie Geschichte alternativ erfolgen kann (bspw. Geschichtsdarstellungen in Video-Spielen), aber diese alternativen Ansätze sind sehr vereinzelnd.
    Ähnlich wie es in vorherigen Kommentaren bereits zu lesen ist, habe auch ich mir die Frage nach einer Kontrollinstanz seit der zweiten Podcast-Folge gestellt. Wie kann vorgebeugt werden, dass Geschichte instrumentalisiert wird? Oder ist dies gar nicht der Anspruch der Public History, auch wenn der Ansatz der Empolyability verfolgt wird?

  • Lisa-Marie Webner
    März 23, 2022Antworten

    Das Gespräch mit Georg Koch hat mich in meine Oberstufenzeit zurückkatapultiert, in der ich anfing, mit dem Gedanken an ein zukünftiges Geschichtsstudium zu spielen. Bis auf wenige Ausnahmen waren alle meine Mitschüler*innen gelangweilt vom Geschichtsunterricht bzw. dem Thema „Geschichte“ und standen dem Ganzen regelrecht ablehnend gegenüber. Mich hat damals die Frage umgetrieben, wie das sein konnte, sind wir doch alle tagtäglich und in diversen Kontexten von der Vergangenheit, von Geschichte, umgeben, stellen sie sogar selbst her. Was war zum Beispiel mit der Namenstafel für unseren Abschlussjahrgang, für die sich so viele einsetzten? Wozu sollte die dienen, wenn nicht zur zukünftigen Erinnerung an uns, wenn unsere Schulzeit selbst Geschichte wäre? Ich ging also ins Studium, mit dem Ziel, die Öffentlichkeit(en) ins Sehen, Entdecken, ins Analysieren, ins Machen von Geschichte einzubeziehen. Dass es die Public History gibt und wie viel in ihr steckt habe ich erst im Bachelorstudium erfahren. Die Schwierigkeit, sie für mich selbst trennscharf als Disziplin zu definieren, hat mich bisher allerdings immer begleitet. Keine der vielen Definitionsversuche, die mir bisher begegnet sind, ist für mich persönlich komplett stimmig. Insofern finde ich die von Georg Koch eingebrachte Formel der Public History als „angewandte Geschichts-Kulturwissenschaft“ sehr spannend. Sie ermöglicht es jedem und jeder Public Historian, sich selbst zu definieren/zu verorten und den eigenen Handlungs- und Forschungsspielraum zu umreißen. Gleichzeitig wird durch die Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten deutlich, wie flexibel, divers und vielschichtig das Feld der Public History ist, in wie vielen Disziplinen sie sich wiederfindet und wie viel mit ihr erreicht werden kann. Vielen Dank dafür! Die Formel ließe sich vielleicht noch weiterspinnen – und die in vorherigen Kommentaren angesprochenen Mehrdeutigkeiten einzelner Elemente verdeutlichen ja nur umso mehr, wie groß der Spielraum der individuellen Definition sein kann. Wie schön, dass Georg Koch selbst als Lehrer tätig ist – vielleicht können durch seinen Unterricht mehr Schüler`*innen für Geschichte begeistert und sensibilisiert werden als es bei uns damals der Fall war…!

  • Tobias Mehl
    März 28, 2022Antworten

    Ein sehr interessanter Beitrag, durch den mir erst richtig klar geworden ist, wie nah am Alltag Public History ist.
    Was mich noch interessieren würde ist, ob es auch eine Art „emotionale Geschichte“ gibt. Wie am Ende des Podcasts angedeutet, machen Worte nur einen extrem kleinen Teil der Realität, und damit auch der vergangenen Realität, aus.
    Es ist natürlich schwer, rückblickend Emotionen zu erfassen, aber es gibt ja durchaus Anzeichen und Querverbindungen durch z.B. die Psychologie und Soziologie. Eine erfolgreiche, brutale Revolution „von unten“ wird wohl nicht in einer Zeit großer allgemeiner Freude beginnen, und auch an Kultur lässt sich möglicherweise etwas über Stimmungen erfahren. Querverbindungen zur Linguistik könnten sicherlich auch eine Menge weiterer Schlüsse zulassen, eventuell wäre es möglich, Worten Stimmungen zuzuordnen und bei Häufungen bestimmter „Wortstimmungen“ in einer Gruppe deren emotionales Befinden ungefähr einzuordnen.

    Zur Aufgabe:
    Geschichtskultur
    Kulturwissenschaft
    Wissenschaftskultur
    Wissenschaftskulturgeschichte
    angewandte Wissenschaftskultur
    angewandte Kultur
    angewandte Kulturwissenschaft
    Geschichtswissenschaft
    Geschichtswissenschaftskultur
    angewandte Geschichtswissenschaft
    angewandte Wissenschaft
    Geschichtskulturwissenschaft
    angewandte Geschichtskulturwissenschaft
    angewandte Geschichtswissenschaftskultur
    angewandte Geschichtskultur
    angewandte Kulturgeschichte
    Kulturwissenschaftsgeschichte
    Kulturgeschichtswissenschaft
    angewandte Kulturwissenschaftsgeschichte
    angwandte Kulturgeschichtswissenschaft

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