05 – Australien: Tanya Evans & Paula Hamilton

Paula Hamilton hat gemeinsam mit Paul Ashton die Public History an der Technischen Universität in Sydney aufgebaut, Tanya Evans ist Direktorin des Centre for Applied History an der Macquarie University – mit beiden habe über die Entwicklung der Public History in Australien und ihre eigene Arbeit im Feld gesprochen.

Links zu Paula Hamilton und Paul Ashton: 

Literatur 

  • Ashton, Paul, Tanya Evans, Paula Hamilton (Hg.): Making Histories. Berlin 2020.
  • Ashton, Paul, Paula Hamilton: Public History in the Land of Oz. In: Public History Weekly 9 (2021) 7, DOI: dx.doi.org/10.1515/phw-2021-18705.
  • Evans, Tanya: Family History. Community and Collaboration. In: M. Allbrook, S. Scott-Brown (Hg.): Family History and Historians in Australia and New Zealand. Related Histories, New York u. a. 2021, S. 197-208.
  • Evans, Tanya: How do Family Historians Work with Memory? in: Journal of Family HIstory 46 (2021), S. 92-106.
  • Evans, Tanya (Hg.): Swimming with the Spit: 100 Years of the Spit Amateur Swimming Club. Sydney 2016.
  • Evans, Tanya: Who Do You Think You Are? Historical Television Consultancy, in: Australian Historical Studies 46 (2015), S. 454-467.
  • Hamilton, Paula: Speak, Memory! Issues in Oral and Public History. In: Paul Ashton, Alex Trapeznik (Hg.): What is Public History Globally? The Past in the Present. London 2019.
  • Hamilton, Paula: Intimate Strangers. Multisensoral Memories of Working in the Home. In: Joy Damousi, Paula Hamilton (Hg.): A Cultural History of Sound, Memory and the Senses. Ney Work 2017.
  • Hamilton, Paula, James B. Gardner (Hg.): The Oxford Handbook of Public History. Oxford 2017.

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Comments
  • Gregor Harnickell
    Dezember 3, 2021Antworten

    Professor Evans spricht ja unteranderem davon, dass es bei der Public History um die „Community“ geht und offensichtlich geht es letztlich um die Öffentlichkeit. Meine Frage wäre, wenn man sich einem Projekt dieser Art zuwendet (Vor allem wenn es um kleinere Themen geht) , wie „verkauft“ man dieses dann an die Öffentlichkeit? Wenn man Public History betreibt will man ja auch, dass die Public diese sieht. Besonders Themen, welche eher Nischen abdecken scheinen schwieriger an die Öffentlichkeit zu tragen. Läuft man dann nicht auch Gefahr, dass die Vermarktung von Geschichte in diesem Zusammenhang wichtiger als die Geschichte selbst wird?

  • Giusy Correggia
    Dezember 3, 2021Antworten

    The contributions of Tanya Evans and Paula Hamilton are useful to understand what public history is. I would like to focus on some notions and explanations that I find particularly interesting. To understand history as a product of research and study is incorrect. History should be understood as a democratic process (not a product), based on concepts such as ‚creativity‘ and ‚collaboration‘. Academic approaches, linked to a very traditional, hierarchical, written-text conception of history, are strongly contrasted by the public dimension of history that involves everyone. Reconstructing history means collaborating with individuals and different groups who bring together their knowledge, but also their techniques and skills. There are no longer only newspapers, written texts or books; history can be created and disseminated in very different and creative ways, using new skills, through technology, films, even videogames, music, clothes, etc. These are all ways that allow an engagement with history and make the subject accessible and interesting for everyone. This shows how this discipline is changing and fluid, alive and constantly in touch with us. I think it is fair to say that we are the main actors in this process which is not only reconstructive, but constructive and creative.

  • Lea Dawils
    Dezember 6, 2021Antworten

    In dieser Folge und auch schon in der letzten Podcastfolge mit Paul Ashton wurde darauf verwiesen, dass die Public History in Australien von der Public History in den USA und aus Großbritannien unterschiedliche Einflüsse erfahren hat. und dass beide Perspektiven für die Entwicklung der Public History in Australien prägend waren. Mich würde nun interessieren, was damit genau gemeint ist und wie die Public History aus den USA und Großbritannien die P. H. in Australien beeinflusst hat.

  • María Lucía Valle Vera
    Dezember 7, 2021Antworten

    Hamilton und Evans haben ihre Karrieren mit verschiedenen Recherchen in Verbindung mit „Public History“ und vor allem der Sozialgeschichte (insbesondere) entwickelt. In diesem Sinne stellt sich folgende Frage:
    1. Könnten in der Definition von „Public History“ ähnliche historiografische Linien festgestellt werden? Welches sein würde?
    Außerdem im Sinne der „Public History“:
    2. Wie kann ein Gleichgewicht zwischen den besonderen thematischen Interessen von Historikern und den Themen hergestellt werden, die für die Gemeinschaften und das Publikum am wichtigsten sind?

  • Teresa Früh
    Dezember 9, 2021Antworten

    In dieser Podcast-Folge berichten sie sowie ihre australischen Kollegen unter anderem darüber, dass das Arbeitsfeld der Public History sich noch nicht ausreichend etablieren konnte, für viele nur ein abstrakter Begriff ist und folglich oftmals noch belächelt wird.

    Zur Erklärung des Terminus von seiten Außenstehender fallen Begriffe wie „PR-Abteilung“, „Geschichtspolizei“ und „Übersetzungsbüro“. Meiner Meinung nach ist die Bezeichnung der Public History als PR-, Polizei- oder Übersetzungsarbeit jedoch nicht unbedingt als Degradierung anzusehen, sondern untermauert die Unabdingbarkeit dieses Arbeitsfeldes. Public History in der Rolle einer PR-Abteilung trägt geschichtliche Fakten und Erkenntnisse nach außen und macht sie für die Öffentlichkeit interessant. Als Polizei kann sie Falschinformationen korrigieren und als Übersetzer fungiert sie als Mittler zwischen Akademikern sowie Experten und der breiten Masse. Sie erfüllt somit eine wichtige Schlüsselfunktion.

    Ebenfalls ist mir Paula Hamiltons Aussage in Erinnerung geblieben: „What is really difficult if you become a public Historian is that you have to work really hard to make a living…“ Hier stellt sich mir die Frage nach dem Arbeitsmart und den Verdienstaussichten für Public Historians. Vielleicht können wir dazu in den kommenden Sitzungen noch einen Einblick erhalten.

  • Vivien Mohr
    Dezember 12, 2021Antworten

    Die Professorinnen Evans und Hamilton betonen die Relevanz der Demokratisierung der Geschichte im Forschungsfeld der ‚Public History‘. Zentrale Aspekte für diesen Prozess seien das Einbeziehen der Öffentlichkeit, beziehungsweise diesen den Zugang zur Geschichtsforschung zu ermöglichen, sowie das Erforschen von Geschichte mit Personen, welche nicht aus dem akademischen Feld stammen. Durch dies öffnen sich für uns Forschende neue Zugänge, indem der sonst oft rein akademische Blickfeld auf Geschichte durch das Geschichtsverständnis der Öffentlichkeit erweitert wird. Es ist also sicher eine Bereicherung für die ‚Public History‘ sowie in der allgemeinen Geschichtsforschung, dass die Menschen, über dessen Geschichte geforscht wird, mit einbezogen werden.
    Relevant hier ist auch die Selbstreflexion und das kritische Hinterfragen der eigenen Geschichtsverständnis des Forschenden, welche oft in deutschen Universitäten aus einer rein eurozentristischen, akademischen und postmodernen Geschichtsinterpretation besteht. „History is a very western konzept“ (Hamilton). Es kann also eine Bereicherung für Forschende sein, die akademische Geschichtswissenschaften mit Hinblick auf postkoloniale Theorien zu untersuchen, einerseits zur Erweiterung des eigenen Geschichtsverständnisses und um die Fragen nach dem, wie und von wem Geschichte im Universitäten Raum geschaffen wird, in ihre Forschungen mit aufzunehmen.

  • Benjamin Hufnagel
    Dezember 13, 2021Antworten

    In dieser Podcastfolge wurde erneut auf die intradisziplinären Kontroversen zwischen etablierter (universitärer) Geschichtswissenschaft und Public History eingegangen. Am Beispiel des Umgangs mit nicht-textuellen Medienformen als Quellen, wird diese Kontroverse von Paula Hamilton greifbar gemacht. Versteht man Geschichte als Prozess (wie es u.a. Hamilton formuliert), erforscht man also die „gemachte“ Geschichte, spielen Quellen für die Repräsentation und Distribution von Geschichte eine entscheidende Rolle. In der Untersuchung des „doing history“ ist die Wahl der Quellen entscheidend. Eine Beschränkung des Quellenmaterials hat daher zwangsläufig eine Beschränkung des Forschungsergebnisses zu Folge. Eine umfassende Studie zum gesellschaftlichen Umgang mit Geschichte ist unmöglich, wenn nur bestimmte Formen der Repräsentation und Distribution von Geschichte ausgewählt werden.
    Genau diese Studie sollte jedoch der Anspruch der Public History sein, weshalb die Weitung des Bezugsrahmens derart zwingende Relevanz erhält. Neben der dringend notwendigen Integration nicht-textueller Medienformate in den zu untersuchenden Quellenkorpus muss auch der interdisziplinäre Austausch ein zentrales Element der Public History sein. Evans und Hamilton verweisen vielfach auf die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit, um so verschiedene Kompetenzen zusammen zu bringen. Sie betonen die Notwendigkeit, das klassische geschichtswissenschaftliche „Handwerkszeug“ um weitere Kompetenzen zu erweitern.
    Diese Ansätze in der Public History sind dringend notwendig. Geschichte wird nicht nur an Universitäten gemacht. Ihre Produktion und der weitere Bezug darauf beschränkt sich nicht auf akademische Diskurse. Wer untersuchen möchte, wie sich der gesellschaftliche Umgang mit Geschichte gestaltet, muss auch versuchen, die Gesellschaft so umfassend wie möglich in den Blick zu nehmen. Hierfür braucht es sowohl den von Hamilton angedeuteten Respekt vor anderen Disziplinen und deren Wissen und die Akquirierung desselben durch Aneignung oder Zusammenarbeit.

  • Furkan Ceran
    Dezember 14, 2021Antworten

    Wäre Public History auch als eine Art Prozess der geschichtlichen Kompromissfindung zu verstehen? Die im Podcast thematisierten australischen, indigenen Völker hätten demnach eine abweichende, subjektivere Geschichtswahrnehmung, was zu einer Uneinigkeit mit der australisch-westlich geprägten Geschichtsschreibung führen würde. Wäre Public History somit subjektiv, also läge die Wahrnehmung stets im Auge des Betrachters oder könnte man nach gegenseitigen Diskursen und einer Kompromissfindung von einer Objektivität in der Public History reden?

  • 6938993
    Dezember 23, 2021Antworten

    Paula Hamilton spricht in dieser Folge unter anderem von ihrer Erfahrung, ein Zentrum für Public History an der Universität in Sydney aufzubauen. In diesem Zusammenhang habe ich mich gefragt, wie dies in Deutschland wäre. Wie leicht oder wie umständlich ist es, ein neues Forschungsfeld an einer deutschen Universität zu etablieren? Was muss dabei beachtet werden, welche Schritte sind notwendig? Wie lief der Prozess beispielsweise bei der Public History in Hamburg ab?

  • Arian Jolani
    Dezember 31, 2021Antworten

    In der Podcast-Folge wird die Notwendigkeit der Demokratisierung der Geschichte („democratization“, man könnte auch „publicization“ im Sinne von „Vergesellschaftung“ sagen) betont, was gewissermaßen an Ashtons Äußerungen in der letzen Folge anschließt. Dabei wird „Geschichte“ an sich nicht als Produkt, sondern (kommunikativer) Prozess definiert, der sich entsprechend auch prozesshaft ändern kann. „Engaging creatively with history“ wird hierbei als eine Möglichkeit betrachtet, in Form von beispielsweise Musik, Filmen oder Fernsehsendungen aktiv mit Geschichte in Austausch zu treten und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Auch der persönliche (eventuell auch körperliche) Kontakt mit historischen Orten, Gebäuden und Objekten wird betont. Dabei hätten Indigene Völker in postkolonialen Ländern bisher überwiegend „außerhalb“ der Geschichte gelebt (wobei Geschichte allgemein auch als eher westliches Konzept bezeichnet wird). Der Fokus im Rahmen dieses historischen Engagements liegt also bei Tanya Evans und natürlich Paula Hamilton (auch in Zusammenarbeit mit Ashton) darauf, der Öffentlichkeit nicht nur, aber beispielsweise auch in repräsentativen Museen oder Bibliotheken die Public History der indigenen Völker („public indigenous history“) bewusst zu machen, vor allem in Australien und Neuseeland. Dabei sollten auch die genannten öffentlichen Formen des „Engaging“ mit Geschichte von traditionellen Akademikern und Geschichtswissenschaftlern als „history work“ anerkannt werden. Demokratisierung wird auch hier also, passend zu den Aussagen Ashtons, als eine Erweiterung (ein „broadening“) der Bezugsgruppe gesehen. Zwar seien hierbei traditionelle Professoren der Geschichtswissenschaft auch konzeptuelle Gatekeeper, die oft nicht mit der Öffentlichkeit, sondern nur mit sich selbst kommunizierten, aber dadurch bildeten sie auch eine für den Wandel wichtige Gruppe welche es zu überzeugen gilt, dass Geschichte für alle und von allen kommuniziert werden sollte. So sollte“participation“ in Public History oder beispielsweise „community work / labour“ (vor Allem in indigenen Gemeinschaften) in Form von Scholarship theoretisiert und somit auch von traditionellen Geschichtswissenschaftlern als historisch und akademisch relevante Arbeit anerkannt werden.

    Meine Frage in diesem Zusammenhang wäre, wie man Gatekeeper konkret überzeugen könnte und wie Evans, sowie Hamilton und Ashton, dies strategisch angehen.
    Und: was sind die im Zusammenhang mit praktischen Tätigkeitsfeldern für Public Historians genannten „Heritage Firms“ und „History Commissions“? Ich kann mir unter dem Begriff nur schwer etwas konkretes, beziehungsweise eine konkrete, gesellschaftliche Arbeit vorstellen.

  • Sergio Andres Pereira Rodriguez
    Dezember 31, 2021Antworten

    It is indeed interesting pretty interesting the approach of Paula Hamilton and Tanya Evans to the public history, as it is completely differently as public history is seen in Germany and some other continental Countries. The notorious difference between the United States of America and Australian public history is pretty good explain in the podcast, taking into account the size of the countries and the focus of the public history in each country. I found personally pretty interesting that at the beginning of the podcast they explained that the private initiative in Australia was a very important factor for the developement of the public history in Australia. The definition of public history for the podcasters is mainly resumed as a voluntary work, citizenship and understanding the impact of history in many different ways, after the explanation what public history consist of in the eyes of the podcasters. For me the only question would be why or how is that the public history in the United States is called a „commercial“ public history and why is it not the case in Australia having in mind that the public history of the USA had a huge influence in the developement of the public history in Australia?

  • Azad Baybarz
    Dezember 31, 2021Antworten

    Den Kern dieses Podcasts beschreiben die Akteure Paul Ashton und seine Kollegin im wesentlichen durch das wichtigmachen der aktiven Auseinandersetzung mit der Geschichte nicht nur innerhalb einer hierarchischen Anordnung. Denn damit das Model, welches ihrerseits im Podcasts dargestellt wird, umgesetzt wird ist es essenziell, dass Geschichte aufmerksam analysiert, dokumentiert und festgehalten wird und zwar nicht nur von Akademikern, die heutzutage eine abgeneigte Haltung entwickelt haben, sondern von Menschen mit jeglichem geschichtlichen Hintergrund.
    Dabei stelle ich mir eine Frage, nämlich welche Hindernisse erwarten einen auf diesem Weg beim sprechen für Public History und mit welcher Motivation bezwingt man diese ?

  • Lissa Kühner
    Januar 18, 2022Antworten

    This podcast also addresses many important aspects of public history. One sentence that stayed in my head for a long time after listening to the podcast is „History is not a product, but a process“. This has changed my own perception of history enormously, because I realized that history is not just the boring memorization of dates from the Middle Ages. We write history every day. Especially in the pandemic I have become aware of this and I have often caught myself thinking that all this development, the corona tests and mandatory masks will go down in world history. This is just part of the ongoing process. I realized that you can feel history yourself every day and it is tangible in many places in everyday life. On the website of the University of Technology Sydney I found the following sentence: „But history is also part of the way, as individuals and as groups, we make sense of who we are and where we come from. It is in the games our kids play and the ways we tell stories“. This also changed my view of history and clarified the extent of it. Never before would I have associated the „games our kids play“ with history. For me, this podcast has been a tremendous addition to my historical knowledge.

  • Konstantina Manou
    Februar 3, 2022Antworten

    Die Aussage, Public History sei dazu da, den Einfluss von Geschichte auf die alltägliche Welt zu betrachten und gleichzeitig die akademische Perspektive herauszufordern, empfand ich als sehr essenziell. Sie fasst für mich das zusammen, was ich in den vorherigen Podcast-Folgen für mich als Quintessenz von Public History herausgefiltert habe. Des Weiteren kam in dieser Podcast-Folge das Thema der Medienkompetenz auf. Es hieß, dass Geschichte als produktiver kommunikativer Prozess ebenfalls in der medialen Vermittlung stattfindet. Dies mache Kenntnisse über Medien und ihre Produktion erforderlich. Diesem Aspekt stimme ich zu. In der heutigen Gesellschaft ist es meiner Meinung nach in gewisser Weise unabkömmlich, sich komplett vor der Vielfalt an verschiedenen Medienformen zu verschließen. Insbesondere in der Geschichtswissenschaft, welche mit unserer Gesellschaft zu tun hat und ein kommunikativer Prozess ist, wäre es nicht ratsam, sich von neueren Medienformen abzuwenden. Allerdings finde ich hierbei den Aspekt wichtig, dass nicht jeder ein Speziallist im Umgang mit allen Medienformen sein muss. Eine grundlegende Offenheit und die Bestrebungen ein größeres Verständnis für unterschiedliche Medienformen und ihr Wirken aufzubauen, können bereits eine gute Grundlage für eine produktive Zusammenarbeit mit Medienspezialist*innen sein.

  • Valentin Kraner
    Februar 28, 2022Antworten

    In dieser Folge wurde (wenn auch nur kurz) das Thema schulischer Geschichtsunterricht aufgegriffen, welchen ich für die Public History als essentiell betrachte. Die allermeisten Menschen haben ihren ersten bewussten Kontakt mit Geschichte in der Schule. Wir wissen, wie wichtig die Schuljahre für die Bildung eines Weltbildes sind, der Geschichtsunterricht legt dafür den Grundstein. Methodisch an Kinder und Jugendliche angepasste und dennoch fachlich wertvolle Unterrichtspläne sind dafür elementar und die Public History scheint genau die Disziplin zu sein, mit der hier Wichtiges bewirkt werden kann. Während meiner Schulzeit besuchte ich für einige Monate eine Schule in Auckland, Neuseeland. Das Thema „Nationalsozialismus und Holocaust“ wurde unserer Geschichtsklasse (Jahrgang 9) mithilfe eines zusammengetackerten Arbeitsheftes erklärt, welches aus völlig unwissenschaftlichen und zudem oft falschen Infokästen bestand und mit diversen Bilderrätseln bestückt war. Die Abschlussarbeit bestand aus einem Kreuzworträtsel mit dem Lösungswort „Auschwitz“. Die Heiterkeit und Ignoranz während des Unterrichts im Umgang mit diesem Thema stand für mich persönlich im starken Konstrast mit der Betroffenheit und dem Respekt, der durch seriösen Unterricht ein halbes Jahr zuvor in meiner Schule in Deutschland erreicht wurde.

  • Antonia Harders
    März 23, 2022Antworten

    In dieser Folge wurde oft die Demokratisierung von Geschichte hervorgehoben und das Einbinden von Gruppen, die zu wenig Beachtung und Anerkennung finden – von Frauen bis hin zu indigenen Völkern.
    Auch wurde die Wichtigkeit der Aktivität angesprochen – aktiv in Austausch treten mit Menschen und Orten, aber auch aktiv an den neuen Entwicklungen bleiben und den neuen Möglichkeiten, die zum Beispiel die Technik bieten, neugierig bleiben und Dinge auszuprobieren, aber auch sich weiterentwickeln und das „skill set“ verbessern.
    Was mir besonders im Kopf geblieben ist, war der Punkt, dass man auch menschlich ein besonderes „skill set“ benötigt in der Public History, wenn man mit Menschen zusammenarbeitet – besonders auch mit Angehörigen indigener Völker, die Sensibilität für Menschen, ihre Geschichte und Vergangenheit, aber auch die Themen selbst haben muss.
    Wie so schön gesagt wurde man kann von jedermann lernen – ganz gleich ob sie einen akademischen Hintergrund haben oder nicht.

    Meine Frage wäre nun, in wie fern man nun dieses Skill set bereits mitbringen muss – besonders auf der Technischen Ebene frage ich mich, in wie fern man ein Spezialist sein muss oder ob ein grundlegendes Verständnis der Abläufe und Zusammenhänge bereits ausreicht für eine Zusammenarbeit?

  • Evdoxia Manou
    März 28, 2022Antworten

    Den Ansatz, durch Public History mehr Menschen einzuschließen und die Wirkung von Geschichte auf die alltägliche Welt ausweiten zu wollen und gleichzeitig die akademische Perspektive der Geschichtswissenschaft herausfordern zu wollen, finde ich sehr spannend. Quasi raus aus dem Elfenbeinturm und raus zu den Menschen, um Perspektiven historisch festzuhalten, die sonst eventuell kein Gehör gefunden hätten. Und auch andersherum (neue) Formen der Vermittlung geschichtlicher Inhalte auszuschöpfen, durch die Ergebnisse der geschichtswissenschaftlichen Forschung auch nach außen getragen werden. Oftmals entsteht in der Öffentlichkeit der Eindruck, dass es eine feste, verlässliche Geschichtsschreibung gibt, der man problemlos folgen kann und welche nicht mehr angezweifelt werden muss. Durch die Zusammenarbeit mit Nicht-Historiker*innen könnte dieses Fehlverständnis der Geschichte stückweise abgebaut werden. Durch den Austausch von Fragen und das Zusammenarbeiten mit Menschen außerhalb der Fakultät, könnte auch in der Öffentlichkeit die Bedeutung von Perspektive sowie die Existenz von verschiedenen Narrationen vermittelt werden. Auch wenn dies nun bewusst simpel formuliert ist und Workshops allein nicht solch eine Leistung erbringen könnten, wäre es doch vorstellbar, dass sie dazu beitragen könnten, Geschichte als Prozess und nicht als Produkt in der Öffentlichkeit zu etablieren.

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