07 – Deutschland: Cord Arendes

2012 wurde Cord Arendes von der Universität Heidelberg auf die Professur „Angewandte Geschichtswissenschaft – Public History“ berufen. Er ist damit der erste Professor für Public History in Deutschland. Ich habe mit ihm über seine Arbeit, seine Projekte und die Public History in Deutschland ganz allgemein gesprochen.

Links zu Cord Arendes

Erwähnte Literatur

Demantowsky, Marko: What is Public History? In: Ders. (Hg.): Public History and School. International Perspectives. Berlin 2018, S. 3-37. https://doi.org/10.1515/9783110466133-001

Geortz, Werner (Hg.): Geschichte. Ein Grundkurs. Reinbek 2007.

Kelley, Robert: Public History: Its Origins, Nature, and Prospects. In: The Public Historian 1 (1978) H. 1, S. 16-28,

Schnabel, Franz: Die Anfänge des technischen Hochschulwesens. In: Festschrift anlässlich des 100jährigen Bestehens der Technischen Hochschule Fridericiana zu Karlsruhe, Karlsruhe 1925, S. 1-44.

Shambaugh, Benjamin F. : Applied History. Iowa City 1914.

Wolff, Heinrich: Angewandte Geschichte. Leipzig 1910.

Erwähnte Projekte, Institutionen, Einrichtungen, Zeitschriften

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Comments
  • Martin Szalla
    Januar 17, 2022Antworten

    Hier der (unzulängliche, weil dem Medium geschuldete) Versuch, die Verortung der PH graphisch darzustellen.
    https://www.dropbox.com/s/8dfy4a51un8kabp/PublicHistory.pdf?dl=0
    Würde mich über Kommentare oder andere Versuche freuen.

  • Vivien Mohr
    Januar 17, 2022Antworten

    Im Teilbereich der medialen Aufbereitung des Nationalsozialismus empfinde ich es als sinnvoll, den Begriff der Öffentlichkeit auf verschiedenen Ebenen weiter zu erläutern und zu definieren. Versteht man unter diesem Begriff der breiten Öffentlichkeit ‚nur‘ alle Bürger und Bürgerinnen der Bundesrepublik Deutschland? Wenn dies so ist, könnten im Anschluss die ausschließenden Mechanismen und die Exklusion von Informationsangeboten für bestimmte Personengruppen untersucht werden. Interessant wäre in diesem Kontext den Informationszugang näher zu beleuchten und die Frage zu stellen, ob das Angebot der Geschichtsaufbereitung des Nationalsozialismus ausschließlich für deutsche Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung gestellt werden sollte und darf. Es wäre zudem möglich dieses Informationsangebot mit den verschiedenen Bedürfnissen der zu erreichenden Personen abzugleichen. Zum Beispiel könnte hier untersucht werden, ob die Bedürfnisse der Nachkommen von Überlebenden und Beteiligten des Nationalsozialismus deckungsgleich sind oder sich unterscheiden. Dies in den Kontext des deutschen nationalsozialistischen Bewusstseins zu setzen, wäre eine weitere Bereicherung dieses Forschungsgebietes. Dadurch könnte der Begriff der Öffentlichkeit neben dem Aspekt der Sichtbarkeit und der Zugänglichkeit durch die Ebene der Bedürfnisse der zu erreichenden Personengruppen erweitert werden.

  • MARIA LUCIA VALLE VERA
    Januar 26, 2022Antworten

    Arendes betont die Bedeutung von Offenheit und Demantowsky die von demokratischem Pluralismus in der Entwicklung von „Public History“. In Anbetracht dieser wichtigen Elemente. Was könnten die Herausforderungen sein, denen sich „Public History“ in der deutschen Gesellschaft stellen muss? Dies insbesondere im Bereich des Geschichtsunterrichts (In der Schule), der anfälliger für staatliche Regulierungen ist, um einen „offiziellen“ Diskurs und ein Gedächtnis aufzubauen.

  • Jennifer Machensen
    Januar 28, 2022Antworten

    Ich finde den Appell von Herrn Arendes zu Ende des Gesprächs interessant, dass wir in (Haus)Arbeiten mehr Offenheit zeigen sollen, um zu mehr Erkenntnis zu gelangen; ich denke auch, dass diese Methodik bzw. Einstellung dabei hilft, in der Public History mehrere Perspektiven zu betrachten, indem bspw. verschiedene Quellen betrachtet und ausgewertet werden. Manchmal fällt es schwer, seinen Blick für andere (unscheinbare) Materialien zu öffnen, was aber durchaus effektiv sein kann, da es sich bei der Public History nicht um die klassische Geschichtswissenschaft handelt, sondern es sich hier eine neuere Methodik handelt, die so in der Form in der klassichen Geschichte nicht stattfindet. Zur Methodik können u.a. – wie schon von Herrn Arendes angesprochen – digitale Quellen durch Recherche im Internet miteinbezogen werden, was Historiker seiner Ansicht nach aber nicht zum „Digital Historian“ macht, da die Internetrecherche heutzutage ein Standardprozess in der Quellenrecherche für Historiker sei, aufgrund unseres digitalen Zeitalters. Bei der Frage „Wie kann ich ein Urteil aktuell fällen?“ sollten daher wirklich alle Historiker (nicht nur Public Historians) offen für neue Heransgehensweisen sein, indem sie mit neuen Methodiken experimentieren; auch ich versuche meinen Blick auf andere Medien zu lenken, wie bspw. Filme, um meinen Horizont erweitern zu können. Ich habe vor mehreren Jahren in einem freiwilligen Seminar zum Thema ‚Geschichte in Videospielen‘ teilgenommen, was ich sehr spannend fand, dass auf diese Art und Weise auch Geschichte dargestellt und vermittelt werden kann; natürlich ist es hierbei von großer Wichtigkeit, darauf zu achten, dass hier keine Stereotype bedient werden, sondern dass hier versucht wird, Geschichte authentisch und auch didaktisch an die breite Gesellschaft näher zu bringen. Die Art und Weise, wie Geschichte in Videospielen vermittelt wird, ist einzigartig, da die interagierende Person aktiv am Geschehen spielerisch teilnehmen kann, anstatt einfach nur passiver Beobachter zu sein. Ich sehe daher in diesem Bereich viel Potenzial, den man vielfältig für diverse Themen verwenden kann.

  • Gregor Harnickell
    Februar 3, 2022Antworten

    Ich fand das Ansprechen des Geschichtsunterrichtes sehr spannend, besonders als Lehramtsstudent. Im Geschichtsunterricht finden wir eine wirkliche Vielfalt an Hintergründen und politischen Meinungen, da alle Kinder individuell vorgeprägt sind. Das Historische arbeiten mit Schülern und Schülerinnen funktioniert dabei auch gut. Was mich interessieren würde ist inwiefern ich mit S.u.S. wirklich Public History betreiben kann. Gibt es in dem Zusammenhang vielleicht bereits Projekte oder Arbeiten? Was sind Schwierigkeiten auf die man bei dieser Art von Public History stoßen kann?
    Einen zweiten Punkt den ich noch hätte: Inwiefern ist die Geschichtswissenschaft dafür verantwortlich „korrektes“ Arbeiten mit Geschichte zu bewahren? Geschichte wird ja gerne völlig kontextlos instrumentalisiert um politische Absichten durchzusetzen. Wie kann die Public History dem entgegenwirken bzw. wie kann die Public History der Öffentlichkeit ein besser reflektiertes Bewusstsein für Geschichte vermitteln?

  • Martin Szalla
    Februar 7, 2022Antworten

    PUBLIC HISTORY – Modererscheinung oder bahnbrechende Weiterentwicklung?

    Zwei fiktive Gespräche zweier Studierenden im Jahre 2042. Welches ist wahrscheinlicher?
    1)
    – Was studierst Du?
    – Geschichte.
    – Public History oder so ganz klassisch?
    – Public History natürlich.
    2)
    – Was studierst Du?
    – Geschichte.
    – Alte, Mittlere, Neuere?
    – Public History.
    – Was ist das denn?

  • Sebastian Brunsmeier
    Februar 8, 2022Antworten

    Ich finde den Punkt besonders spannend, dass in der Publik History durch die Öffentlichkeit ein Resonanzraum entstehen kann, der zu der Reflexion des eigenen wissenschaftlichen Handelns führt. Thematisch gibt es Überschneidungen in mehreren Bereichen, wie Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft oder Soziologie. Es wird deutlich das Problem- oder Fragestellungen in der Public History in der Regel komplex sind. Daher ist es auch verständlich, dass es bei manchen Problemstellungen keine eindeutigen Antworten gibt, sondern eher mal kleinere und mal größere Handlungsspielräume.
    In Anbetracht der fachlichen Überschneidungen sind Kooperationen in der Lehre förderlich, um über den eigenen Fachbereich hinaus weitere Perspektiven kennenzulernen. Für Studierende kann projektbezogene Arbeit in Gruppen dabei helfen, ein Lernumfeld zu schaffen, welches dem späteren Arbeitsumfeld in Projektgruppen ähnelt. Am Ende des Podcasts wird der Appell an Studierende formuliert, offen für neue Ansätze, Methoden und Experimente zu sein. Dies unterstreicht, dass Innovation grundlegend wichtig ist, um sich am Markt behaupten zu können.

  • Alena Beyer
    Februar 8, 2022Antworten

    Interessant ist nicht nur die Überschneidung der Public History mit vielen weiteren Bereichen der Geistes- wie auch Sozialwissenschaften, sondern auch die Komplexität des Forschungsspektrums. Sie ermöglicht einen öffentlichen Umgang mit der Geschichte und fördert gleichsam die individuelle Auseinandersetzung mit der eigenen wie auch fremden Geschichte durch einen „Resonanzraum“. Ich finde es persönlich sehr spannend wie unterschiedlich schnell sich die Public History in den Ländern etabliert hat und auch, dass die deutsche Public History sich erst in den letzten 10 Jahren im universitären Raum – durch Professuren bspw. – ansiedeln konnte. Ich frage mich immer wieder beim Hören der Folgen nach dem Kausalzusammenhang und nach den Impulsen.

  • Franziska Lahn
    Februar 11, 2022Antworten

    Ich finde es schwierig davon auszugehen das weil jemand zur Zeit des Mauerfalls nicht selbst mit erlebt hat ihr der Zugang zu dem Thema fehlt. Häufig ist es durch den mangelnden persönlichen Bezug besser objektiv das Geschehene zu analysieren und zu beurteilen. Ich würde ihnen zu stimmen, dass das erleben des Ereignisse einen anderen Zugang und Ansporn zu dem Inhalt gibt. Trotzdem sorgt genau der Zugang dafür, dass es leichter ist beeinflusst zu werden. Wie sehen Sie das?

    • Priyanka Patel
      März 31, 2022Antworten

      Zeitzeugen haben nicht ohne Grund einen unschätzbaren Wert. Ich denke zwar auch, dass Zeitzeugen durch ihre subjektive Wahrnehmung beeinflusst werden, jedoch denke ich auch, dass jede weitere Erzählung eines Ereignisses ja auch nur die subjektive Wiedergabe von Zeitzeugen ist. Im besten Falle muss man sich wahrscheinlich deswegen erst viele subjektive Erzählungen anhören, um dann irgendwie die ,,beste,, (eventuelle auch objektivste(?)) Erzählung zu erhalten.

  • L.
    Februar 27, 2022Antworten

    Mein Kommentar bezieht sich nun auf die technologischen neuen Möglichkeiten, neue Akteursgruppen und den aktuellen europäischen Konflikt.
    Mir ergibt sich nun die Frage, inwiefern mit der Technik und den neuen Möglichkeiten der Selbstbildung, sich die Akteure auf beiden Seiten gegen Propaganda wehren können und wollen, oder dies kurzzeitig eher negative Auswirkungen haben wird.
    Es ist heutzutage scheinbar immer schwerer geworden die Dokumentation von Handlungen zu unterbinden und die Verbreitung einzuschränken, somit wird im andauernden Konflikt hoffentlich eine sehr genaue Aufarbeitung ermöglicht. Auf der anderen Seite ist die Technik auch recht anfällig für menschliche Fehler, Manipulationen, Propaganda und Nachrichtendienste.
    Inwiefern also der sehr moderne Konflikt durch Technik positiv oder negativ beeinflusst wird, ist aktuell bedenkenswert und wielange sich Fehlinformationen heute noch langfristig halten können.

  • Vincent Settler
    März 3, 2022Antworten

    Nachdem ich nun alle Podcast-Folgen angehört habe, kann ich sagen: das war nun ein wilder Ritt. Beginnend mit den Definitionen bekam ich ein Gefühl dafür, was Public History ist. Die englischsprachigen Folgen haben dieses Gefühl von Verständnis dann wieder über den Haufen geworfen. Ich war verwirrt, musste das Gelernte noch einmal hinterfragen. Spätestens mit den Folgen zurück in Deutschland wurde mir klar, was auch mehrfach gesagt wurde: Es ist gibt nicht die eine allgemeingültige Definition. Je nach Ort und Tätigkeitsfeld kann sich die Public History weit erstrecken. Von recht „klassisch“ arbeitenden Historiker*innen an Universitäten zu Filmemacher*innen.
    Da ja auch, ich glaube es war in Australien, das Thema „Musik kann Public History sein“ abgesprochen wurde, bin ich bei meiner Recherche auf die schwedische Rock-Band Sabaton gekommen. Diese behandeln in ihren Liedtexten soweit ich weiß fast ausschließlich (militärische) Ereignisse der Geschichte. Es gibt Lieder über den Sacco di Roma 1527, die Schlacht von Shiroyama 1877 auf Japan, und natürlich Lieder über den ersten und zweiten Weltkrieg. Ich habe dann anfangs etwas voreingenommen gedacht „Naja, das sind doch Musiker*innen, die nehmen das mit der historischen Genauigkeit bestimmt nicht so streng.“. Dann stieß ich auf den YouTube-Kanal „Sabaton History“, auf dem die Band mit einem Historiker namens Indy Neidell die (historische) Geschichte hinter ihren Liedern darlegen. Da habe ich gedacht: Das ist Public History! Außerdem sind es mehrere Bereich der Public History, die dort zusammen arbeiten: eine Band, die historische Ereignisse musikalisch an die Öffentlichkeit trägt. Ein Historiker, der in der historischen Arbeit ausgebildet und zugleich auch (Dokumentar-)Filmemacher ist.
    Kennt ihr noch weitere Beispiele der Art?

  • Valentin Kraner
    März 7, 2022Antworten

    „Wie wird eigentlich Öffentlichkeit in der Geschichtswissenschaft mitgedacht?“ fragt Herr Arendes (07:00). Dass diese Frage überhaupt gestellt werden muss, ist vielleicht der zentrale Punkt dieser Vorlesungsreihe. Wie sehr Geschichte (und damit Geschichtswissenchaft) und Politik und Gesellschaft miteinander verknüpft sind, liegt auf der Hand und wird bei genauem Hinsehen noch deutlicher. In Zeiten von millionenfach geklickten Fake News, aufflammendem Nationalismus und zunehmender Geschichtsverklärung wird ein Fokus auf die gesellschaftlichen Auswirkungen von Geschichtserzählungen immer wichtiger. Anders als manche Komillitonen bin ich mir allerdings nicht sicher, ob ich ein 2-Wege-Modell für das Geschichtsstudium (klassisch oder PH) befürworte. Ich bin der Meinung, dass auch klassische Historiker:innen mit der Wirkung von populären Geschichtsmedien vertraut sein sollten. Wissen, welches gerade durch öffentliche Universitäten generiert wird, sollte nicht nur einem engen Zirkel an fachlich versierten Student:innen und Wissenschaftler:innen, sondern der ganzen Gesellschaft zugänglich sein. Diese Verantwortung auf einen einzelnen Forschungsbereich abzuwälzen, wird dem Anspruch an Universitäten nicht gerecht.

  • Lisa-Marie Webner
    März 22, 2022Antworten

    Eine spannende Folge mit vielen interessanten Anregungen. Besonders den Punkt, dass die Public History sich in einem öffentlichen Resonanzraum bewegt, finde ich bedeutsam. Hier möchte ich besonders den digitalen Raum hervorheben, weil er so viele Möglichkeiten eröffnet. Vor Kurzem habe ich das Public-History-Projekt der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung zur Sturmflut 1962 auf Twitter verfolgt und an diesen Podcast gedacht. Das Projekt selbst und auch das abschließende Gespräch via Twitter Spaces hat mir als Followerin, Leserin – und dadurch: Teilnehmerin – einmal mehr vor Augen geführt, dass Geschichte partizipativ ist und verschiedene Öffentlichkeiten auf diverse Arten, über diverse Mediensorten einbinden kann. Der natürlich ungeplante Umstand, dass gleichzeitig zu den geschilderten historischen Ereignissen auch in der Gegenwart mehrere Sturmtiefs über Hamburg hinwegzogen und schwere Sturmfluten mit sich brachten, verstärkte das Gefühl der Unmittelbarkeit der Geschichte auf besondere Art und Weise. Ich finde: ein gelungenes Projekt. Geschichte auf Social Media und die damit einhergehende Interaktion zwischen Historiker*innen/Institutionen und Öffentlichkeit spielt für mich als studentische Mitarbeiterin in der Social-Media-Redaktion einer KZ-Gedenkstätte generell eine große Rolle. Dadurch habe ich aber auch Erfahrung damit gesammelt, dass dieses Feld nicht nur Chancen, sondern eben auch Fallstricke mit sich bringen kann. Der Umgang mit politisierenden Umdeutungen in der Kommentarspalte etwa, oder das Posten von Selfies in fragwürdigen Positionen/mit ideologischer Symbolik muss konsequent sein. Öffentlichkeit, deren Teilhabe und Teilnahme an Geschichte setzen sich naturgemäß aus Menschen und Haltungen aller Art zusammen. Auf sie zu reagieren, ohne den Eindruck zu erwecken, nur ein (Meister-)Narrativ durchsetzen zu wollen und abweichende Haltungen nicht zu dulden, erfordert Fingerspitzengefühl. Das sollte aber im Werkzeugkoffer einer/s zukünftigen Historikerin/Historikers vorhanden sein, die/der potenziell im Berufsleben mit Öffentlichkeit konfrontiert wird. Ich finde, gerade um das erlernen, ist die in dieser Folge aufgeworfene Frage nach der Notwendigkeit von Public History in einem historischen Seminar mit „JA!“ zu beantworten.

    Und noch ein weiterer Punkt, den ich ansprechen möchte: den Appell an Studierende, experimentierfreudiger zu sein und offen an neue Formate und Methoden außerhalb der bewährten Hausarbeiten etc. heranzugehen, ließe sich meiner Meinung nach auch auf den Kreis der Lehrenden erweitern. Gerade während der digitalen Semester in der Pandemie hat sich gezeigt, wie gut neue Lehr- bzw. Prüfungsformate funktionieren können, dass es sich lohnt, sie wenigstens auszuprobieren – und wie erschreckend unflexibel die Lehre insgesamt war. So jedenfalls habe ich es empfunden. Darüber habe ich in den letzten Monaten viel nachgedacht und komme immer wieder zu dem gleichen Schluss: auch die Geschichtswissenschaft, sowohl Forschung als auch Lehre, muss neue Wege beschreiten, um auf Entwicklungen und Herausforderungen reagieren und zeitgemäß zu agieren. Dazu gehören nicht zuletzt digitale Medien.

  • Ilka Henke
    März 29, 2022Antworten

    Das erste Mal ein VL-Podcast; das Format überzeugt!
    Als Archäologin (auch noch Prähistorikerin) habe ich mich hier terminologisch manchmal etwas verloren gefühlt, aber viele Ansätze und Punkte entdeckt, die ich in meinem Fach einbringen und fortsetzen könnte. Die eigene Fachidentität und Forschungsgeschichte hinterfragen und Impulse zur Neuschaffung geben sind ebenso überlebenswichtig für uns Geschichts- und Geisteswissenschaftler wie das „gesehen werden“. Gegen letzteres sträuben sich in der UFG/VFG grade im universitären Bereich viele Alteingesessene. Archäologie nur des Selbstzweckes wegen, der Elfenbeinturm muss unberührt bleiben. Ein Verhalten, dass unseren Fachkomplex, im englischen passender „Humanities“ genannt, ad absurdum führt. Ich darf mir hier vielleicht herausnehmen die „Public Humanities“ zu erfinden, so dies nicht schon jemand getan hat. Menschen sind interessiert an Menschen, seit jeher. Wie können wir in unserer Arroganz als Akademiker uns denn herausnehmen ein Monopol auf (Menschen-)Geschichte zu schaffen, wenn die Geschichte da draußen ist? Bei uns ist es die ehrenamtliche Arbeit, die vor allem verteufelt wird, obwohl es (und ich übertreibe keineswegs) gerade diese „Laien“ sind, die weite Teile der aktiven Archäologie in Deutschland am Leben erhalten. Und zum Dank erscheint das Paper dann ohne eine Erwähnung der Ehrenamtlichen, aber mit 10 akademischen Kollegen.
    Das ist jetzt vielleicht nicht der fundierte Kommentar, den Sie und andere Hörer erwarten (mehr ein Rant; Verzeihung), aber die Folgen haben mich z.T. sehr inspiriert und begeistert. Vielen Dank!

  • Ilka Henke
    März 29, 2022Antworten

    Ein kleiner Nachtrag: Archäologie eignet sich wunderbar um Geschichte aufleben zu lassen und zu erleben. Man könnte sogar so weit gehen und sagen: Geschichte zu gestalten. Freilichtmuseen und Workshops sind vielleicht die prominentesten Beispiele (Albersdorf, Haithabu, u.a.). Die meisten dieser Angebote werden von Ehrenamtlichen und Vereinen angeboten und bieten UNS tolle Ansätze für Problemlösungen in der materiellen Kultur (für die theoretische Konzepte oft keine Lösung sind). Wenn ich es richtig verstanden habe, kann diese Form der Darstellung und nicht akademische Teilhabe, die experimentelle Archäologie, unter dem semi-definierten Begriff Public History subsumiert werden. Ich möchte noch einmal betonen, dass wir im Fach darauf angewiesen sind, dass Geschichte gelebt und ausprobiert wird! Naturgemäß befinden sich zwischen uns und den Funden und Befunden viele Filter. Zeit ist nur einer, sozusagen, und die Lücken die entstehen werden v.a. statistisch aber auch erzählerisch „interpoliert“. Daten aus echter Menschenhand und Beobachtungen (hier gehe ich jetzt nicht auf ethnografische Daten ein…) sind für uns Goldwert.
    Aus meiner archäologischen Sicht also, ist Public History ein Konzept, das in meinem Fach eigentlich schon gestern hätte eingebracht werden müssen. Ich bin mal gespannt was die nächsten Jahre bringen, aber auch in der Archäologie tut sich was!

  • Lina-Marie Mittelbach
    März 30, 2022Antworten

    Ich finde die Aussage interessant, dass der Bruch bzw. die Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland eine große Rolle spielt in der Public History, weil ich darüber noch nie richtig nachgedacht habe, weil es mich persönlich nicht betroffen hat. Aber die Argumentation von Prof. Dr. Cord Arendes ergibt jedoch Sinn, vor allem wenn man die Unterschiede betrachtet, welche noch heute zu beobachten sind zwischen Ost und West. Außerdem finde ich es interessant, dass dieser Punkt in der deutschen Geschichte in unterschiedlichen Bundesländern unterschiedlich stark im gesellschaftlichen Gedächtnis verankert ist. Also dass in Baden-Württemberg dieser Punkt weniger stark den Umgang mit der Geschichte und deren Kommunikation bestimmt, als dies z.B. in Brandenburg der Fall ist. Dies könnt meiner Meinung nach möglicherweise daran liegen, dass diese Zeit für den ehemaligen Osten prägender war als für den Westen und natürlich auch noch viele Menschen dort leben, die diese Zeit miterlebt haben und nach der Wende den Osten nicht verlassen haben. Dadurch bleibt dieser Punkt der Geschichte natürlich mehr im gesellschaftlichen Gedächtnis verankert und beeinflusst damit den Umgang und die Kommunikation von Geschichte. Und da dieses geschichtliche Ereignis noch nicht all zu lange her ist, sind die Einflüsse, die mit diesem einhergehen auch noch heute zuerkennen und daher ergibt es Sinn, dass dieser Aspekt der deutschen Geschichte als ein Einflussfaktor in der Public History benannt wird.

  • Tobias Mehl
    März 31, 2022Antworten

    Dem Gedanken bezüglich der DDR stimme ich als junger Mensch leider zu, mein Wissen dazu ist leider viel zu dünn. Sicherlich weiß ich einiges aus Schule und Interesse, aber ich würde schätzen, dass ich mehr über die Weimarer Republik weiß, als über die Deutsche Demokratische Republik. War die DDR wirklich ein schlechterer Ort zum Leben? Kann man das überhaupt annähernd beurteilen? Falls ja, wie? Und wie kann man als junger Mensch ohne ostdeutsche Vorfahren Behauptungen einordnen, die Bundesrepublik werde der DDR in manchen Bereichen zunehmend ähnlicher?

    Interessant wäre vielleicht noch, in welchen Bereichen der Politik Historiker*innen häufig gefragt sind, und ob eine Wirkung sichtbar ist-könnte es Bereiche geben, in denen sie weniger nützlich sind, möglicherweise Umwelt- oder Familienpolitik? Und andere, in denen ihre Wirkung oder ihr Einfluss besonders groß ist? Möglicherweise in Außen-, Wirtschafts- oder Innenpolitik? Interessant wäre vielleicht auch, ob die Politik dem Rat der Historiker*innen folgt, und ob sie eher Entwicklungen und Vorhaben der Politiker*innen bremsen, oder ergänzen/bestärken.

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