Forschung

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Forschungsschwerpunkte

  • Public History
  • Performativität und Medialität von Geschichte im öffentlichen Raum
  • Nation, Nationalismus, kollektive Identitäten
  • German-Americana

Geschichtssorten – Bausteine zu einer Theorie der Public History

Das Projekt entwickelt einen theoretisch-begründeten Zugriff auf Geschichte in unterschiedlichen medialen Formaten, die über den neuen Begriff der „Geschichtssorten“ systematisiert werden sollen. Der Begriff der „Geschichtssorte“ ist dem literaturwissenschaftlichen Begriff der Textsorte entlehnt und in der Geschichtswissenschaft noch nicht entwickelt. Er markiert zunächst die Existenz unterschiedlicher medialer Formen von Historiographie, auch und gerade außerhalb geschichtswissenschaftlicher Produktion bis hin zu popkulturellen „Trivialhistoriographien“.

Das Projekt entwickelt einen theoretisch-begründeten Zugriff auf Geschichte in unterschiedlichen medialen Formaten, die über den neuen Begriff der „Geschichtssorten“ systematisiert werden sollen. Der Begriff der „Geschichtssorte“ ist dem literaturwissenschaftlichen Begriff der Textsorte entlehnt und in der Geschichtswissenschaft noch nicht entwickelt. Er markiert zunächst die Existenz unterschiedlicher medialer Formen von Historiographie, auch und gerade außerhalb geschichtswissenschaftlicher Produktion bis hin zu popkulturellen „Trivialhistoriographien“.

Das Konzept der Geschichtssorten soll dabei helfen, diese Formen – insbesondere in ihrer Medialität und Performativität – systematisch zu erschließen und ermöglicht eine Erweiterung des Begriffs der Historiographie über den Horizont der fachwissenschaftlichen Textproduktion hinaus. Das Projekt leistet hierüber auch einen grundlegenden Beitrag zur Theorie- und Methodenentwicklung im Feld der Public History sowie für die Entwicklung eines historischen Rezensionswesens für Geschichtsrepräsentationen im öffentlichen Raum.

Die „Battle of Gettysburg“-Panoramen 1884-2007

Das Projekt untersucht die Produktion, Repräsentation, Distribution und Rezeption von Geschichte im öffentlichen Raum am Beispiel der „Battle of Gettysburg“-Panoramen von Paul Philippoteaux (1846-1923). Seit der Eröffnung des ersten Gettysburg-Rundbilds 1883 in Chicago ist bis heute fast durchgehend mindestens eines dieser Schlachtenpanoramen öffentlich zugänglich gewesen. Die Bilder waren in der Frühphase Teil städtischer Freizeit- und Unterhaltungskultur. Sie gingen auf Tournee durch verschiedene Städte der USA und wurden auf Weltausstellungen auch einem internationalen Publikum gezeigt.

Eine Kopie des Panoramas wurde schon früh in den entstehenden „Gettysburg National Military Park (GNMP)“ implementiert und ist heute neben Soldatenfriedhof, Museum, Denkmälern und dem Schlachtfeld selbst Teil eines erinnerungskulturellen Ensembles zur Geschichte des US-Bürgerkriegs. Auch an seinem festen Standort  im pennsylvanischen Gettysburg unterlag das Rundbild steten Veränderungen. Die Rotunde wurde mehrfach verändert, das Bild restauriert und die Präsentationsform technisch angepasst, medial ergänzt und erweitert sowie beständig modernisiert. Heute ist das „Battle of Gettysburg“-Panorama zentraler Bestandteil des GNMP-Besucherzentrums.

Das Projekt betrachtet die „Battle of Gettysburg“-Panoramen (und historische Panoramen generell) als Form visueller Historiographie. Neben dem Entstehungsprozess steht die sich wandelnde Rezeption und Deutung des Bildes durch die Betrachtenden im Mittelpunkt der Untersuchung. Im Längsschnitt werden somit die unterschiedlichen Gegenwarten der Geschichte des US-Bürgerkriegs und der Schlacht von Gettysburg von der Enstehung des ersten Gettysburg-Panoramas bis zur Wiedereröffnung 2008 thematisiert. Dabei werden u. a. Fragen des Wissenstransfers (Zeitzeugen und ihre Nachfahren), kollektive Identitäten und Erzählungen von der Nation (Schulen, Veteranen unterschiedlicher Kriege), erinnerungskulturelle Versöhnungs- und Ausgleichstrategien sowie die technische und erzählstrategische Positionierung und Verflechtung des Bildes im erinnerungskulturellen Ensemble „Gettysburg National Military Park“ erschlossen.

Für die Untersuchung der Panoramen sowie der Aushandlungs- und Aneignungsprozesse der Besuchenden wird ein spezifischer Zugriff entwickelt, der sich zentral auf die Analysekategorien der Medialität, Performativität und Authentizität stützt und diese für die Anwendung auf öffentliche Geschichtsrepräsentationen konkretisiert. Auf diese Weise wird auch das „Geschichtssorten“-Konzept an einem spezifischen Beispiel weiterentwickelt und erprobt mit dem Ziel, allgemeine Bausteine für eine Theorie der Public History zu entwickeln.

Teaching Staff Resource Center (TSRC) für nicht-textuelle Geschichtssorten

Das Projekt zielt auf die Einrichtung eines Teaching Staff Resource Center (TSRC) für die Geschichtssorten Museum, Denkmal, Film, Bild und Führung. Die im Projektverlauf erstellten, evaluierten, angepassten und im Kernpraktikum angewandten Handreichungen zur Erschließung von Geschichte im öffentlichen Raum an den Beispielen Schlacht von Gettysburg und Schlacht bei Tannenberg fördern das geschichtsdidaktische und fachwissenschaftliche Professionswissen zur Analyse von Geschichtsrepräsentationen in Hinblick auf ihren Beitrag zum historischen Lernen. Als OER-Materialien mit Beispielen auf dem Hamburger Bildungsserver und den Internetseiten der Landeszentrale für politische Bildung veröffentlicht, stehen die Arbeitsergebnisse langfristig für die Verwendung u. a. in der Schule zur Verfügung. Das TSRC kann in Anschlussprojekten erweitert werden.

Das TSRC entsteht in einem kooperativen Lehrprojekt von Public History, Mittelalterlicher Geschichte, Geschichtsdidaktik und der Hamburger Landeszentrale für politische Bildung. Das Projekt wird gefördert durch das BMBF-Projekt „Lehrlabor Lehrerprofessionalisierung (L3PROF)“ des Zentrums für Lehrerbildung Hamburg.