Über

Thorsten Logge

Public History verstehe ich als Teilbereich der Public Humanities, die Forschung, Lehre und Transfer als Bildung vereinen. Hervorgegangen aus dem Arbeitsbereich „Allgemeine Berufsqualifizierende Kompetenzen“ beschäftigt sich Public History Hamburg mit der Produktion, Repräsentation, Distribution, Exhibition und Rezeption von Geschichte in der Öffentlichkeit.

Public History ist keine Geschichtspolizei und auch nicht die PR-Abteilung für Historische Seminare.

Ich setze mich ein für eine forschungsorientierte Public History, die in der Forschung analytische Zugänge zu unterschiedlichen Geschichtssorten entwickelt und in der Lehre auf die Herausbildung analytischer und generativer Geschichtssortenkompetenz zielt. 

Geschichte findet statt – nicht nur in Textform 

Seit April 2017 leite ich als Juniorprofessor das Arbeitsfeld Public History am Fachbereich Geschichte der Universität Hamburg. Das Arbeitsfeld ist hervorgegangen aus dem vormaligen Studienbereich der „Allgemeinen Berufsqualifizierenden Kompetenzen“ (ABK), den ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Koordinator gemeinsam mit Kolleg:innen des Mittelbaus reformiert und als Arbeitsfeld Public History neu aufgestellt habe.

Meine im Juli 2012 an der Justus-Liebig-Universität in Gießen verteidigte Dissertation Zur medialen Konstruktion des Nationalen – Die Schillerfeiern von 1859 in Europa und Nordamerika ist im Frühjahr 2014 in der Reihe „Formen der Erinnerung“ bei V+R unipress erschienen. Die Dissertation wurde finanziert durch ein DFG-Vollstipendium und war eingebunden am Gießener Graduiertenkolleg „Transnationale Medienereignisse von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart“. In Gießen habe ich zugleich das Doktorandenprogramm des internationalen „Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC)“ absolviert. Dem Pro­motions­studium ging ein Studium der Geschichte, Psychologie und Politik­wis­senschaft an der Universität Hamburg voraus.

In der universitären Lehre bin ich seit 2008 aktiv. An der Universität Hamburg lehre ich seit 2010 in allen Veranstaltungs­formaten des Arbeitsfeldes sowie im Kerncurriculum des Bachelor- und Master-Studiums Geschichte, insbesondere in der Projektlehre.

In der Programmplanung für unsere Projektlehrveranstaltungen wie auch in meiner eigenen Lehre kooperiere ich mit außeruniversitären Partnerinnen und Partnern wie der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, Museen (Museum für Hamburgische Geschichte, Altonaer Museum, Museum der Arbeit, u. a.), dem Hamburger Ausbildungs- und Kommunalsender TIDE oder der Bismarck-Stiftung. Zudem bilde ich mich seit Beginn meiner Tätigkeit für die Universität Hamburg hochschuldi­daktisch fort. Die Impulse hieraus habe ich stets anwendungsorientiert nutzen können, um die Weiterentwicklung der Lehrformate hochschuldidaktisch zu reflektieren und zu begründen.

2017 wurde ich für meine Lehrtätigkeit mit dem Hamburger Lehrpreis geehrt. Im gleichen Jahr erschien meine Handreichung zur Projektlehre im Geschichtsstudium im Wochenschau-Verlag.

Im März 2020 habe ich mit Kollegen aus Bochum und Gießen das coronarchiv gegründet – eine Crowdsourcing-Plattform im Internet, die es Bürger:innen ermöglicht, ihre individuellen Alltagserfahrungen in der Corona-Krise digital zu dokumentieren und damit Spuren zu hinterlassen für eine Historiographie der Zukunft und zugleich Austausch zu ermöglichen und zu fördern über den auch im Frühjahr 2021 noch offenen Prozess der Corona-Pandemie. Ich verstehe Public History (auch) als Engaged History, also als eine Geschichte die Positionen einnimmt und vertritt und sich als Teil der Gesellschaft versteht, in der sie stattfindet (und von der sie schließlich auch finanziert wird). Auch Historiker:innen sind Bürger:innen und nehmen als solche Teil an der Geschichtskultur ihrer Nachbarschaft, ihrer Region und ihres Landes.

Seit März 2021 bin ich Sprecher des BMBF-Verbundprojekts „SocialMediaHistory – Geschichte und Demokratie auf Instagram und TikTok“, das wir gemeinsam mit der Ruhr-Universität Bochum durchführen. In diesem Citizen-Science-Projekt erforschen wir gemeinsam mit Bürgerforscher:innen, wie Geschichte in Social Media funktioniert. Wir wollen dabei aber auch selbst aktiv werden und in diesen Formaten Formen des historischen Erzählens erproben und reflektieren.

Seit meiner Dissertation beschäftige ich mich mit den Praktiken des Geschichtemachens und den  Funktionen von Geschichte und erzählenden Vergangenheitsbezügen für individuelle und kollektive Identitäten. Geschichte findet statt – in den meisten Fällen außerhalb der klassischen akademischen Formate. Ich bin davon überzeugt, dass neben dem klassischen Text auch andere mediale Darstellungsformen von Geschichte viel stärker im Studium integriert werden müssen. Neben der Forschung an und über Geschichtssorten setze ich mich daher dafür ein, dass analytische und generative Geschichtssortenkompetenz als übergeordnete Ziele für Studiengänge in den Geschichtswissenschaften stärker berücksichtigt werden.

Public History als Public Humanities

Bereits 2013 habe ich gemeinsam mit Claudia Nickel und Jörn Lindner im Rahmen meiner hochschuldidaktischen Weiterbildung mit der Frage beschäftigt, wie der – damals gerade in Entwicklung befindliche – Optionalbereich in den Studiengängen der Fakultät für Geisteswissenschaften mit einem Teilstudiengang „Public Humanities“ bespielt werden könnte. 

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Kern unserer Idee war es, interdisziplinäre Projektarbeit zu ermöglichen, zu informieren und in realistischen Projekten zu situieren. Studierende sollten ihre disziplinäre Fach- und Methodenkompetenz einbringen und die planerischen und organisatorischen sowie die technischen und medialen Kompetenzen erwerben, um geisteswissenschaftliche Darstellungsprojekte zu entwickeln und auch umzusetzen. 

Bislang wurde das Konzept noch nicht umgesetzt – ich hoffe jedoch, dass die Ausweitung der Third Mission und der Transferaktivitäten auch an der Universität Hamburg dazu führen könnten, dass unser Konzept noch eine Umsetzungschance erhält. Finanzierbar wäre es durchaus: Der Curricularwert für diesen frei wählbaren Teilstudiengang im Umfang von 30 Leistungspunkten ist nicht höher als der, der für den Optionalbereich schließlich definiert wurde. 

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